Schwangerschaft – erstes Trimester {Rückblick}

Bald liegen schon ganze 14 Wochen Schwangerschaft hinter mir. Zeit für ein kleines Résumé zum ersten Schwangerschaftsdrittel.

Festgestellt habe ich die Schwangerschaft Ende Oktober. Wir waren mit Freunden im Urlaub und ich war bereits eine Woche überfällig als wir wieder zu Hause ankamen und ich Sonntag Morgens einen Schwangerschaftstest aus dem Spiegelschrank des Badezimmers zog. Vor und auch während unseres Urlaubs war ich krank gewesen und hatte mich über das Ausbleiben meiner Periode gewundert. Wie immer hatte ich zu Anfang während meiner PMS Tage leichte Schmierblutungen die jedoch nach 2-3 Tagen aufhörten. Ich spürte immer wieder ein gewohntes Ziehen im Unterleib und war jeden Tag darauf vorbereitet das es endlich los ging. Gegen Ende der Woche kaufte ich mir verunsichert bei einem Ausflug nach Dresden ein Vitamin + Folsäure Kombipräparat und rührte Abends keinen Wein mehr an. Sonntag Morgen dann der Test; Schon nach wenigen Sekunden verfärbte sich das Testfeld zu einem eindeutig positiven Ergebnis.
Mir wurde schlecht! Alles drehte sich während ich ungläubig auf den Test starrte und mir dachte „Oh mein Gott, ich bin schwanger, hilfe ich bin schwanger! Will ich überhaupt ein Kind?“. Ja, nach all den erfolglosen Jahren des Kinderwunsches hatte ich mich innerlich trotz weiteren Sehnens und Wünschens so weit vom Traum Kinder zu haben distanziert, dass ich plötzlich wirklich geschockt war. Vor ungefähr drei Jahren war ich schon einmal ganz kurz schwanger – wirklich nur für eine handvoll Tagen – und freute mich einfach unglaublich darüber, weinte ständig vor Freude und war vollkommen aus dem Häuschen. Dieses Mal ploppten plötzlich lauter Ängste auf, Fragen ob ich einem Leben mit Kind gewachsen bin, ob ich eine gute Mutter sein könnte, was mit mir nicht stimmte weil ich gar nicht vor Freude in die Luft springen, sondern mich lieber unter der Bettdecke verstecken wollte.
Ich schreibe darüber auch deswegen so offen, weil ich allen Frauen da draußen gerne sagen möchte: Ja so kann es sein und so darf es auch sein! Eine Schwangerschaft ist kein Disney Film und geladen mit all den Hormonen darf frau auch einfach mal Zweifel, Ängste und Sorgen haben, auch wenn uns immer propagiert wird das es für keine Frau etwas großartigeres gibt als ein Kind zu bekommen. Meine Sorgen und Ängste wurden mit der Zeit schwächer, dafür abgelöst von der Sorge ich könnte erneut einen Abgang erleiden in den ersten 12 Wochen.

Die ganze erste Zeit spürte ich eine ständige Präsenz in meinem Unterleib, ein durchgehendes Ziehen und Spannen. An manchen Tagen tat es mehr weh, vor allem die Mutterbänder in den Leisten zogen fröhlich vor sich hin. Bis zum ersten Termin bei meiner Frauenärztin zu Beginn der siebten Woche glaubte ich immernoch nicht so recht das da tatsächlich ein Baby in mir heranwächst. Sicher hatte ich nur ein Windei oder sogar etwas schlimmes wie eine Eileiterschwangerschaft. Ungläubig und berührt starrte ich auf den Ultraschallmonitor auf dem ein kleiner Knubbel mit tüchtig pochendem Herzen zu sehen war. Wieder zu Hause dauerte es keine zwei Tage bis ich mir dachte „ach das kann alles überhaupt nicht sein, ich bin bestimmt gar nicht schwanger, ich fühle mich ja nichtmal jeden Tag schwanger“. Doch mit jedem Termin und dem Fortschreiten der Schwangerschaft sackte die Tatsache auch langsam tiefer und wurde zur Erkenntnis.

Übelkeit plagte mich so gut wie nie, nur wenn ich hunger bekam brauchte ich etwas zu Essen und zwar sofort. Also immer eine Notfallbanane in der Tasche denn der Hunger kam häufig und bis in den späten Abend. Schon nach kurzer Zeit wurde ich wieder krank. Das Immunsystem von schwangeren Frauen fährt vor allem in den ersten 12 Wochen sehr herunter weil der Körper alle Kraft darauf verwendet das Kind gut zu schützen und zu nähren. Passend zur Erkältungszeit holte ich mir erst eine Bronchitis die im Verlauf zu einer Lungenentzündung wurde, worauf sich auch noch eine Nasennebenhöhlenentzündung setzte und der Verdacht einer Rippenfellentzündung. Folglich war ich plötzlich 2-3x in der Woche beim Arzt, Embryotox wurde zu meiner Bibel da Hausmittel wie mehrfach tägliches inhalieren, viel Trinken, Nasenspülungen, selbstgekochter Zwiebelsaft und Co nicht aushalfen. Der Arzt verordnete mir im Laufe der Woche ein Penicillin Präparat was in 10 Tagen immernoch keine deutliche Besserung brachte, darauf hin gab es ein Kombipräparat und somit die volle – dafür zum Glück hilfreiche – Dröhnung. Nach 5 Wochen bekam ich endlich wieder Luft, konnte ohne erstickungsartige Hustenanfälle schlafen und verbrauchte keine 4 Packungen Taschentücher mehr am Tag. Sehr geholfen hat auch die parallele Behandlung durch meine Heilpraktikerin die mich mit Akupunktur, manueller Therapie, Homöopathie und Co unterstütze.
In diesen 5 Wochen starb mein Vater plötzlich, wie man sich vorstellen kann also keine Zeit in der ich beschwingt durch meine Schwangerschaft schwebte und vom baldigen Mutterglück träumte. Erst litt ich krank vor mich hin, beklagte das mir bald die Decke auf den Kopf falle und vergaß wie es sich überhaupt anfühlte gesund zu sein. Dann kam die Trauer um meinen Vater hinzu, plus einer Ladung Stress und Anspannung da ich mich als einziges Kind um den kompletten Nachlass kümmern muss.
Ich versuchte so gut es geht in meiner Mitte zu bleiben, mir viel Ruhe zu gönnen, Stress abzubauen und von mir fern zu halten. Mittlerweile bin ich wieder fast komplett gesund und fühle mich wieder besser, auch wenn mich natürlich die Trauer über den Verlust meines Vaters weiterhin begleitet, aber auch das darf sein.

Mein einziges wirklich unangenehmes Symptom der Schwangerschaft sind meine schmerzenden Brüste. Mein Busen war immer schon etwas größer, ist aber jetzt schon noch einmal sehr doll gewachsen. Seit 2 Wochen trage ich Tag- und Nacht Still BHs und Tops da ich sonst zum Beispiel Nachts von den Schmerzen wach werde wenn ich mich umdrehe. Aber so langsam merke ich wie es besser wird. Anfangs war ich auch oft müde, zum Glück keine bleiernde Müdigkeit über den ganzen Tag. Ich fühlte mich einfach Morgens noch recht eingebunden und matschig und hätte über Tag ca. sechs bis zehn Mal von jetzt auf gleich sagen können „ok ich geh sofort schlafen“. Stimmungsschwankungen waren vor allem in den ersten Wochen ein großes Thema, ständig weinte ich weil mich etwas anrührte, schön oder schlimm war. Darüber hinaus war ich unglaublich gereizt, fauchte jeden der mir quer kam an, egal ob Freund oder Fremden (und das ist für alle die mich kennen wirklich ungewöhnlich). Manches Nachts musste mein Mann mich in den Armen halten und trösten weil ich über meine Ängste und Überforderungsgefühle weinte, zum Glück ist er sehr aufmerksam und immer für mich da. Auch wenn es ihm manches Mal schwer fiel mit meinem Emotionswellen zurecht zu kommen – ich habe mir sagen lassen das kann noch schlimmer werden in den Monaten… ;)

Sicherlich dank einer Mischung aus Veranlagung, wochenlangem auf der Couch sitzen und grenzenlosem Appetit bildete sich bei mir schon ab der neunten Woche ein deutliches Bäuchlein. Zu dem Hubbel am Unterbauch gesellt sich mein seit der Schwangerschaft rund um die Uhr geblähter Oberbauch. Zum Glück leide ich jetzt nicht mehr so häufig unter schmerzhaften Blähungen wie in den ersten Wochen. Trotz des vielen schlemmens habe ich nicht mehr als 2 Kilo in den ersten 12 Wochen zugenommen, was absolut um Rahmen liegt. Ich war ganz überrascht da ich deutlich mehr erwartet hätte.

Ich spreche viel mit unserem Kind, lege immer wieder meine Hände auf den Bauch. Wenn ich traurig oder wütend bin erkläre ich unserem kleinen Krümel warum und das dies nichts mit ihm zu tun hat, da ich mich sehr auf ihn/sie freue. Im Wohnzimmer haben wir einen kleinen Schwangerschaftsaltar in der Mitte unseres Familien und Hausaltars eingerichtet. Dort brennt eine Kerze, liegen die aktuellsten Ultraschallbilder, steht ein Bild von einer schwangeren Frau mit ihrem Baby im Bauch, eine Muttergöttinnenfigur die mir eine Freundin plastiziert hat und ein Vögelchen aus Holz das mir eine andere Freundin für den Altar geschenkt hat.
Manchmal öle ich auch meinen Bauch, bin was das angeht aber ehrlich gesagt ziemlich faul und nachlässig. Ich streichel mein Bäuchlein lieber über Tag vor mich hin :)

Im Januar habe ich wieder einen Termin bei meiner Hebamme und meiner Frauenärztin. Ich bin schon sehr gepannt, vor allem wann wir erfahren ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Ich bin ja von Natur aus sehr neugierig…

2 Kommentare
  1. Silberweide says:

    Liebe Kamindra!
    Ganz herzlichen Glückwunsch zur unerwarteten Schwangerschaft. Ich hoffe, dass du eine angenehme Schwangerschaft hast und ein gesundes Kind bekommst.

    Zu Beginn hat es dich ja schlimm erwischt, auf allen Ebenen. Das ist ja wirklich hart, mit deinem Vater. Wie traurig.

    Ich bin seit Jahren eine stille Mitleserin und kenne dich auch von Instagram und freue mich sehr, dass du so ehrlich und offen über so vieles schreibst. Deine Geschichte der ersten Wochen hat mich auch etwas an meine erste Schwangerschaft erinnert, wie du war auch ich auf Reisen und habe mich auch in der Apotheke mit Folsäure eingedeckt, ohne positiven Test, aber irgendwie ganz sicher, dass ich schwanger war. So kostbare Erinnerungen, dass vergisst man nie mehr glaube ich.
    Auch wenn schwanger sein nicht immer „heile Welt und Glücksseligkeit“ bedeutet, ohne diese Zeit ( ich habe 2 Kinder, war aber 3 mal schwanger), wäre ich heute nicht die Frau, die ich jetzt bin.
    Lass es Dir gut gehen!! Alles Liebe, Silberweide

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