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Wundervolle Geburtserfahrungen sind möglich

Natürlich stand für mich immer fest, dass ich später einen Geburtsbericht veröffentlichen würde, alleine schon weil ich selbst in den Jahren vor meiner Schwangerschaft bereits mit großer Neugierde Geburtsberichte anderer Frauen gelesen habe. In meiner Schwangerschaft habe ich mich irgendwann ganz bewusst dazu entschlossen, mir nur noch schöne, positive Geburtserfahrungen erzählen zu lassen, wegzuschalten wenn im Film eine klassische grauenvolle, schmerzhafte Geburt gezeigt wurde und auch im Internet nur noch nach kraftvollen, schönen Erfahrungen zu suchen. Daher betone ich bereits im Titel dieses Beitrags das ich eine solche Geburt erleben durfte, um es Frauen die sich ebenso wie ich auf ihre eigene Geburt vorbereiten einfacher zu machen meine Geschichte als eine Mut machende zu identifizieren. Ich schreibe diesen Bericht für alle Frauen, die Angst davor haben Kinder zu bekommen, die wie die meisten von uns an dass in unserer Gesellschaft vollkommen normale Bild der unglaublich schmerzvollen, unerträglichen Geburt glauben. Tatsächlich erfordert es ein bisschen Mut von, mir mit so einer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, nicht nur weil es eine intime Sache ist von der ich erzähle, sondern auch weil ich befürchte manchen Frauen vor den Kopf zu stoßen. Vor allem Frauen die ganz andere Geburtserfahrungen gemacht haben als ich. Menschen die mir vielleicht vorwerfen werden, dass ich halt Glück gehabt habe. Das ich mal nicht so tun solle als wäre meine Erfahrung normal. Immer wieder habe ich in der Schwangerschaft von Frauen gehört die sich gehemmt fühlen zu sagen: Ich fand meine Geburt toll! Meine Geburt war wunderschön! Ich hatte eine absolut schmerzfreie Geburt! Jetzt kann ich sie verstehen… War es doch schon in der Schwangerschaft selbst immer mal wieder so, dass man mir bei den Diskussionen darüber wie Geburt meistens abläuft, woran dies liegt und ob man ganz andere Erfahrungen machen könnte, abschätzig angelächelt wurde mit diesem vielsagenden Blick: „Jaja, warte erst mal ab bis es soweit ist, du hast ja keine Ahnung wovon du redest.“
Jetzt weiß ich von ich rede, dies ist meine Geschichte. Es muss nicht nicht die deine sein und sie soll dir niemals vermitteln das meine Geburt besser gewesen wäre als deine. Jede von uns hat ihre eigene Geschichte und ich glaube das unsere Kinder mitentscheiden wie sie geboren werden.
Solltest du wie ich selbst vor wenigen Monaten auch zu den Frauen gehören, denen die Vorstellung der Geburt große Angst macht. Dann lade ich dich herzlich dazu ein dich für die Option zu öffnen, dass Geburten auch einfach ganz wundervoll sein können.

So what makes a birthing hero? Lets be clear, anyone who grows a baby and than gets it from inside to outside is a hero. Every time! – badassmotherbirther

Die Geburt kündigt sich an

Streng genommen, auch wenn es sich dabei nicht um den aktiven Geburtsprozess handelt, sollte ich mit dem Bericht über die Geburt unserer kleinen Tochter in den frühen Morgenstunden des 2. Juli schon in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni beginnen. Schon seit der 36. Schwangerschaftswoche hatte ich immer wieder einige Tage lang deutlich spürbare Senkwellen (wie immer spreche ich im folgenden nicht von Wehen sondern von Wellen) , was mich sehr freute da ich es schön fand zu wissen, dass sich mein Körper offensichtlich auf die Geburt vorbereitet. In besagter Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte ich das erste Mal falschen Alarm, wachte auf mit deutlich spürbaren Wellen und war vollkommen aus dem Häuschen vor Aufregung, ja eigentlich schon Angst. Denn ich fühlte mich irgendwie gar nicht gut, mir war übel (was einfach an starkem Hunger lag), mein Herz raste, ich fühlte mich schlapp, krank und überhaupt nicht gut und hatte etwas Sorge, sollte es nun tatsächlich los gehen, wie ich das so überstehen sollte. Doch natürlich waren es nur Vorwellen die in den Tagen vor der Geburt auftreten können. Da ich sie als überraschend intensiv empfand, dachte ich es könnten ja auch richtige, beginnende Geburtswellen sein. Ich schlief wieder ein und der Rest der Nacht verlief ruhig. Donnerstags hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin, das CTG zeigte keine Wellentätigkeit, der Muttermund war schön weich geworden aber noch verschlossen, der Gebärmutterhals bei 1 cm. Ich machte einen Termin für den kommenden Mittwoch aus da dies mein ET war von dem an ich alle zwei Tage zum CTG gehen sollen.
In der folgenden Nacht erneuter Fehlalarm, diesmal sehr deutliche Wellen, im Abstand von 10-15 Minuten. Als ich nach einer Stunde genervt aufstand um mir ein Bad einzulassen (an Schlaf war nicht zu denken), verschwanden sie wieder bis ich mich erneut ins Bett legte. Irgendwann schlief ich trotz Wellen wieder ein und wachte immer mal wieder mit einer auf.
Den ganzen Freitag über hatte ich 1-2 Wellen pro Stunde, ich lenkte mich ab, bearbeitete meinen Babybauch-Gipsabdruck und genoss draußen das schöne Wetter. Am Abend gegen halb neun war ich für kleine Mädchen als sich plötzlich das Muttersiegel löste. Ein Schleimpfropf der den Gebärmutterhals während der Schwangerschaft vor dem Eindringen von Erregern schützt. Wow, jetzt war ich doch nochmal richtig aufgeregt denn das war ein sehr sicheres Zeichen das die Geburt bevorsteht. Bei einigen Frauen geht es 6-8 Stunden später los, bei anderen dauert es allerdings noch ein paar Tage. Die dritte Nacht mit Vorwellen folgte, diesmal wurde ich regelmäßig alle 10-15 Minuten wach, veratmete, schlief wieder ein, wachte auf, veratmete, schlief wieder ein. Es war die erste von zwei Nächten mit vielen Wellen und wenig Schlaf. Samstag kamen Freunde zu Besuch und wir verbrachten den Tag draußen auf der Terrasse, ich immer auf meinem Gymnastikball. Die Wellen kamen in sehr unregelmäßigen Abständen, aber teils so intensiv das ich stehenbleiben musste, mich abstützen und natürlich atmen. Nach dem abendlichen grillen mit unseren Freunden verabschiedete ich mich in die Badewanne, woraufhin die Wellen wieder verschwanden. Trotzdem kamen sie in der Nacht in erneut regelmäßigen Abständen von 8-15 Minuten und ich hatte mehr mit dem veratmen zu tun als mit schlafen.
Nach der zweiten Nacht dieser Art war ich Sonntag Morgen etwas entnervt, fühlte mich übermüdet und erschöpft. Ich bat meinen Mann mit mir in den Kreißsaal zu fahren um mal ein CTG schreiben zu lassen. Ich sagte ihm, dass sei nun purer Aktivismus aber nach fast 4 Tagen Wellen und kaum Schlaf wünschte ich mir, dass mir einfach jemand sagt „alles ganz normal, ihrem Baby geht es gut und der Körper leitet langsam die Geburt ein“. Gesagt getan, im Kreißsaal wurde dann festgestellt das mein Gebärmutterhals verstrichen war, der Muttermund schon 1cm geöffnet und das Kind mit seinem Köpfchen ganz fest und tief unten am Muttermund saß. Doch beim Ultraschall sprach die diensthabende Ärztin wieder von der Notwendigkeit ab dem ET alle 2 Tage ein CTG schreiben zu lassen mit dem Hinweis, Wochenendes könne ich dazu auch in die Klinik kommen. Da dachte ich nur „wie bitte? Bis zum ET sind es noch Vier Tage mit heute! So lange geht das ja wohl nicht so weiter?!“
Die Hebamme versicherte mir das ich bisher nur Vorwellen hätte und dass es einfach Frauen gebe welche diese sehr deutlich spüren. Bewegung würden diese Wellen meist verstärken. Daher sollte ich Bewegung lieber vermeiden, da sie eben nicht wie bei Geburtswellen die Geburt vorantreiben und sich positiv auswirken würden, sondern mich einfach nur müde machen. Stattdessen sollte ich entspannen, noch etwas schlafen und Bäder nehmen. Weiterhin konnte keiner sagen wie lang es noch dauern würde. Sie gab mir für die kommende Nacht eine heiße Sieben mit (eine Zubereitung von Magnesium Schüsslersalz) die ich vor dem Schlafengehen nehmen sollte, da Säugetiere vor allem Nachts Hormone produzieren welche die schlaf störenden Vorwellen unterstützen würden. Das Magnesium würde evtl. positiven Einfluss nehmen, aber keine echten Geburtswellen verhindern.

Langsam geht es wirklich los

Wir fuhren nach Hause und bereits im Auto merkte ich an zwei bis drei Wellen, dass sich das das Empfinden langsam verändert und eher in Richtung Oberschenkel und Kreuz ausstrahlte anstatt dem Unterbauch – ich erkläre später noch wie sich die Wellen für mich (!!! das ist sehr individuell) angefühlt haben. Das machte mir etwas Hoffnung das es sich vielleicht bald nicht mehr nur um Vorwellen handeln würde.
Gegen Mittag waren wir wieder zu Hause, der Bauch verhielt sich relativ ruhig, ich döste noch zwei Stunden im Wohnzimmer auf der Couch auf welcher ich den ganzen Tag blieb.
Gegen Nachmittag gesellte mein Mann sich zu mir, ich hatte den Tag damit verbracht mir meine Hypnosen und noch ein paar Videos zum Thema Geburten anzusehen. Wir machten uns eine Netflix Serie an und bestellten noch etwas zu Essen. Während des Abends hatte ich einige intensivere Wellen die ich konzentriert veratmete und meine Visualisierung und Selbsthypnose praktizierte. Gegen 22 Uhr bat ich meinen Mann mir eine Badewanne einzulassen, da ich schon eine weitere Nacht unproduktiver Vorwellen und wenigem Schlaf auf mich zukommen sah. Ehrlich gesagt war ich an diesem Punkt ziemlich groggy und hatte keine große Lust mehr. Ich sagte noch zu meinem Mann: Ehrlich, so hab ich mir das nicht vorgestellt. Wenn es endlich los geht bin ich schon tagelang ohne Schlaf und total fertig, wie soll ich das denn schaffen?“. Da ahnte ich noch nicht das ich in nur wenigen Stunden unsere Tochter in den Armen halten würde und ich schon längst in der Eröffnungsphase der Geburt befand. In der Wanne wurden die Wellen erst einmal seltener, ließen aber nicht in der Intensität nach. Eigentlich hatte mein Mann sich schon ins Bett gelegt um noch etwas Kraft zu tanken, aber er hörte mich meine Wellen veratmen und hatte das Gefühl mir lieber Gesellschaft zu leisten und den Wehentracker meiner App für mich zu bedienen. Innerhalb kürzerer Zeit kamen die Wellen in 7, dann in 5 Minutenabständen. Ich war vielleicht 30 oder 40 Minuten in der Wanne als ich meinen Mann bat im Kreißsaal anzurufen um Bescheid zu geben das wir uns bald auf den Weg machen. Eigentlich hatte ich vor frühestens zu fahren, wenn ich mindestens eine Stunde lang Wellen in Abständen von 5 Minuten hätte, aber eine innere Stimme trieb mich an, lieber schon eher loszufahren. Noch bevor wir das Krankenhaus telefonisch erreicht hatten und ich aus der Wanne stieg kamen die Wellen alle 4 Minuten. Wir fuhren gegen kurz vor Zwölf los, im Auto hatte ich große Mühe meine Wellen vernünftig zu veratmen, die Empfindungen wurden immer stärker und noch während der Fahrt sagte ich erstmals zu meinem Liebsten das ich irgendwie so einen krassen Druck nach unten verspüren würde und so eine Art Pressdrang hätte. Wir kamen um 0:18 Uhr am Parkplatz des KH an und brauchten eine Weile um bis zum Haupteingang, durchs Foyer zum Aufzug, in den Vierten Stock über Station zum Kreißsaal zu gelangen, da ich auf diesem eigentlich kurzen Weg alle paar Meter mit Wellen stehenbleiben musste.

Als wir in den Kreißsaal geführt wurden – ich freute mich denn es war der Saal den ich mir für die Geburt gewünscht hatte, in schönen Gelbtönen und mit einer großen Gebärwanne – war es ungefähr halb Eins in der Nacht. Ich sollte mich für ein CTG auf das Kreisbett legen und mein Mann baute unsere Bluetoothbox auf und schloss meinen IPod mit dem entsprechenden Hypnosestück für die Geburt an, welches ich an diesem Tag immer wieder gehört hatte. Wir hatten es auch immer auf den Autofahrten zum Krankenhaus laufen und auf dem Weg hoch in den Kreißsaal hörte ich es über Kopfhörer.
Schon vor der Tür des Kreißsaals stehend wurde mir bewusst, dass irgendetwas gewaltiges mit meinem Körper passiert, ich zitterte am ganzen Körper und meine Zähne klapperten, ohne das ich einen Grund dafür ausmachen konnte. Am CTG angeschlossen verging nur eine einzige Welle und plötzlich musste ich Pressen. Ehrlich, ich habe so oft in den ganzen Monaten der Vorbereitung gelesen „dein Körper weiß genau was er zu tun hat, dein Körper macht was zu tun ist, vertraue deinem Körper“. Nie im Leben ist mir dies so bewusst geworden wie in diesem und den folgenden Augenblicken. Ich hatte überhaupt keine Wahl, keine andere Möglichkeit, ich konnte mich nicht für oder gegen das Pressen entscheiden. Mein Körper machte einfach, „es presste mich“, würde ich es am ehesten beschreiben. Mir fiel es für eine kurze Zeit schwer mich dem einfach hinzugeben denn mein Verstand wollte wissen was los ist. Es dauerte drei Wellen in denen ich sicherlich durch die geöffnete Balkontüre die komplette Nachbarschaft geweckt habe, bis die Praktikantin zurück ins Zimmer kam und mich auf meine bitte hin vaginal untersuchte. Ich ging davon aus das ich maximal wenn ich viel Glück hatte, 4-5 cm offen wäre, immerhin hatte ich die letzten Stunden überhaupt noch nicht als richtig aktive Geburt mit Eröffnungswellen wahrgenommen. Wieso musste ich jetzt schon pressen? Was war da los? Da stimmte doch etwas nicht?! Würde ich mir oder meinem Kind schaden wenn ich jetzt schon presste? Wie viele Stunden würde das noch so gehen? Nein, DAS schaffe ich nicht noch über Stunden auszuhalten ohne PDA! Was ist los mit mir? So oder so ähnlich waren meine Gedanken in diesem Augenblick, für vielleicht 10 Minuten. Im Rückblick weiß ich, es war genau die Zeit der emotional/psychisch kritischen vollkommenen Eröffnungsphase in der die Gebärende oft gerne einfach das Handtuch schmeißen möchte und allen Anwesenden sagt: Danke, mir reicht es, macht das hier mal ohne mich! Hebammen freuen sich darüber, da sie wissen das nun bald das Kind kommen wird.
Ich wurde immer lauter, aber nicht weil die Schmerzen so unerträglich gewesen wären, denn das waren sie nicht. Es war einfach so eine starke Erfahrung, so eine urgewaltige Kraft die da durch meinen Körper ging, ich musste ihr aus tiefster Brust verbal Ausdruck verleihen. Es dauerte 3 bis 4 Wellen, da spürte ich wie sich meine Fruchtblase eröffnete. Die Hebamme war mittlerweile hinzugekommen und hatte bereits begonnen die Gebärwanne zu befüllen, ich fragte sie immer wieder was ich gegen das pressen tun solle, ob ich mir oder dem Kind schade und beteuerte mit jeder Welle „ich kann nichts dagegen tun, es steht nicht in meiner Macht“. Nachdem meine Fruchtblase gesprungen war, untersuchte sie mich erneut und stellte erfreut fest das ich nun komplett eröffnet war. Sie schickte meinen Mann noch zur Patientenanmeldung und ich erinnere das ich die nächsten Minuten nur damit beschäftigt war immer wieder zu fragen wie weit die Wanne ist und darum zu bangen das mein Mann nicht mehr rechtzeitig zurück kommt.
Davon abgesehen war mir alles egal, egal ob ich Stuhl ausscheiden würde, wie ich aussah, was man von mir denken könnte weil ich mich wie ein Tier anhörte. Hingabe ist wirklich ein wundervolles Wort für die Zeit unter der Geburt, ich versuchte einfach mich voll dem hinzugeben was passierte. Ich war aufgeregt, aber ich verspürte zu keiner Zeit Angst – abgesehen von den wenigen Minuten in denen ich mein plötzlich auftretendes Pressen nicht einordnen konnte und Sorge hatte, noch am Anfang der Geburt zu stehen.
Mein Mann der mittlerweile zurückgekehrt war saß die ganze Zeit hinter mir, streichelte mich in den kurzen Abständen zwischen den Wellen, reichte mir ein Glas Wasser nach dem anderen an (nach jeder Welle musste ich trinken, ich hatte unglaublichen Durst) und hielt meine Hand wenn die Wellen kamen.
Endlich die erlösenden Worte, die Wanne war bereit. Wir nutzen die wenigen Sekunden zwischen den Wellen um mich vom Bett zur Wanne wechseln zu lassen, dass Wasser war angenehm warm ich ich lies mich mit der nächsten Presswelle in einem Tuch hängend ins Wasser gleiten. Die Hebamme leitete mich an mich in einer bestimmten Ecke hinzulegen und nun durfte ich endlich vollkommen loslassen. Mein Mann saß an meinem Kopfende, reichte mir nach jeder Welle ein bisschen Wasser während die Hebamme mir immer wieder positiv und lobend zusprach und mich durch die Wellen leitete und an den richtigen Stellen angab wenn ich zu viel Kraft ins atmen gab. Es waren vielleicht fünf oder sechs Wellen von dem Moment an, an dem ich in der Wanne lag bis unsere Tochter geboren war. Ich durfte das kleine Köpfchen mit der Hand erfühlen als sich ein erster Haarschopf Richtung Ausgang schob, dieses Gefühl und den Anblick werde ich nie vergessen. Nichteinmal vier Stunden nachdem ich mich zu Hause in die Wanne begeben hatte, erblickte unsere Tochter in den frühen Morgenstunden das Licht der Welt. Erfreulicherweise blieb ich dabei sogar ohne jede Geburtsverletzung Der ganze Geburtsprozess war gewaltig und beeindruckend, kraftvoll und schön.

Was ich mir vorgestellt hatte und wie die Realität aussah

Zu Beginn meiner Schwangerschaft hatte ich wahnsinnige Angst vor der Geburt. Ich erinnere mich, einige Nächte kaum in den Schlaf gefunden zu haben sondern Panik zu haben das mir so etwas bevorstehen würde. Dabei hatte ich mich in meiner Kinderwunschzeit immer danach gesehnt, nach der Erfahrung Schwanger zu sein und nach eben diesem riesigen, unglaublichen Initiationserlebnis im Leben einer Frau. Dieses irgendwie unvorstellbare Mysterium, ich wollte es gerne selbst erleben. Doch mit der erträumten Schwangerschaft wuchs die Angst. Angst davor wie es werden würde, ob ich es überlebe, ob mein Kind es überlebt. In meinem Kopf all die Geschichten von Frauen und ihren schlimmen, unerträglichen, schmerzhaften Geburten. Die Bilder und Töne in meinem Kopf aus den unzähligen Film- und Fernsehserien von schweißgebadeten Frauen die um ihr Leben schreien und brüllen. Der wenig tröstliche Satz „aber wenn es dann erst einmal überstanden ist, dann ist alles vergessen“.
Meine eigene Geburt verlief traumatisch, vor allem für meinen Vater der nach dem was er dort miterleben musste auf keinen Fall weitere Kinder haben wollte. Immer wieder durfte ich mir anhören das ich sicherlich auch ein Geburtstrauma hätte, wäre ich doch, so sagt man, fast gestorben unter der Geburt wenn man mich nicht mit der Saugglocke geholt hätte. Für mich war daher klar das ich in einem Krankenhaus entbinden will, mit großer Kinderklinik, alles was ich oder das Kind im Notfall brauchen könnten direkt Tür an Tür.
Nach einigen Wochen der Ängste und Sorgen begann ich, mich mit dem Thema Geburt auseinander zu setzen. Ich wollte solch eine Geburtserfahrung nicht! Das musste doch irgendwie anders gehen… Als leidenschaftliche Leseratte schaffte ich mir erst einmal einiges an Literatur an, ich begann mich Ina May Gaskins Klassiker „Selbstbestimmte Geburt“ und es folgten viele weitere Bücher die alle eins gemeinsam hatten:
Geburt wurde dort als etwas natürliches dargestellt, etwas schönes, positives, kraftvolles. Etwas das wir Frauen schaffen können, weil wir dazu geboren und dazu gemacht sind. Die Geschichte der Geburtshilfe wurde kritisch beleuchtet bis zu den heutigen Standards und Leitlinien in den Krankenhäusern der Welt. Immer mehr wuchs in mir der Wunsch eine selbstbestimmte, sanfte und schöne Geburtserfahrung außerhalb des Krankenhauses zu machen, um nicht in die Maschinerie der modernen Medizin zu geraten die mir evtl. einfach nicht die Zeit gibt die ich und mein Baby brauchen. Ich wollte keine unnötigen Interventionen, ich wollte einfach einen geschützten Ort an dem ich mich dem Prozess hingeben kann. Leider war es viel zu spät um mich noch um ein Geburtshaus zu kümmern, Hebammen für Hausgeburten arbeiten in unserer Region soweit ich derzeit informiert bin leider gar nicht mehr. Also blieb die Suche nach einem Krankenhaus das meinen Bedürfnissen entsprach. Ich entschied mich letztendlich für eine ganz kleine Klinik mit weniger als 1000 Geburten im Jahr, keine Kinderklinik oder Neointensiv im Haus. Dafür gute Chancen darauf eine geschützte, schöne Geburtsbegleitung zu erleben.
Zu meiner ganz genauen Geburtsvorbereitung schreibe ich in den nächsten Tagen noch einmal einen gesonderten Eintrag, in der Kürze: Neben der langen Liste an Literatur habe ich einen Onlinekurs in bei Kristin von „Die friedliche Geburt“ belegt und den Essence of Birth Kurs bei Nina Winner gemacht, habe seit dem zweiten Trimester täglich erst Atemübungen, Entspannungstechniken und Visualisierungen aus dem Hypnobirthing, nach meinem Onlinekurs dann die entsprechenden Übungen und Selbsthypnosen zur friedlichen Geburt praktiziert. Ich habe mich sehr viel mit positiven Geburtsaffirmationen beschäftigt und umgeben, mir regelmäßig positive Geburtserfahrungen anderer Mütter durchgelesen und mit entsprechende Videos angeguckt und in den letzten Tagen viel mit der GentleBirth App gearbeitet..
Ab der 36. Woche habe ich täglich 3 Datteln gegessen, eine Hand voll Sonnenblumenkerne, täglich speziellen Geburtstee und einen Liter Himbeerblättertee getrunken, Geburtstropfen genommen und war einmal wöchentlich bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur.
Man kann also sagen, ich habe mich sehr intensiv mit der bevorstehenden Geburt befasst und alles getan um ein positives Mindset aufzubauen und meinen Körper sanft zu unterstützen.
Ich bin mir sehr sicher, dass all dies dazu beigetragen hat das ich solch eine positive, schöne Geburtserfahrung gemacht habe. Kristin sagt immer, es liegt nicht in unserer Hand wie die Geburt schlussendlich verläuft. 80% ist gute mentale Vorbereitung, aber 20% ist einfach Schicksal. Wir können uns nur darauf vorbereiten entspannt und angstfrei in die Geburt zu gehen und unter der Geburt zu bleiben, egal in welche Richtung sich diese entwickelt.
Auch Kaiserschnitte und andere Interventionen müssen keine traumatischen Erfahrungen sein, sie machen eine Geburt nicht automatisch weniger gut oder schön. Übrigens heute ganz aktuell erschienen ist Kristins wöchentlicher Podcast, Folge 033 mit dem Thema: „Wie du auch einen Kaiserschnitt positiv erleben kannst

Was ich von der Geburt erwartet habe und wie es wirklich war:

  • Dauer: Ich hatte natürlich davon geträumt und mir immer wieder visualisiert eine kurze Geburt zu haben, obwohl es für Erstgebärende nicht als  typisch gilt. Die 3 Tage und Nächte Vorwellen welche meinen Körper so perfekt vorbereitet haben, hatte ich natürlich nicht erwartet. Ich dachte irgendwann geht es halt plötzlich los, es fängt milde an und wird über viele Stunden immer intensiver. Ich kann natürlich nicht zu hundert Prozent festmachen welche der Wellen die ich Sonntag spürte die erste Eröffnungswelle war und nicht mehr als Vorwelle zu zählen war, wenn ich von den intensiver werdenden Wellen am frühen Abend ausgehe habe ich vielleicht sechs bis sieben Stunden aktive Geburt erlebt, das Gefühl jetzt unter der Geburt zu sein hatte ich aber erst ab einer gewissen Zeit in der Badewanne. Da reden wir von 3 1/2 – 4 Stunden bis meine Tochter geboren war.
    Im Nachhinein muss ich schmunzeln, da ich sehr oft von Frauen gelesen habe die sich zum Beispiel mit Hypnobirthing vorbereitet haben und sehr schnelle Geburten hatten, bei denen sie grade noch rechtzeitig im KH angekommen sind. Das es mir genau so ergehen würde hat mich überrascht.
  • Bewegung: Eigentlich hatte ich vor mich zu Beginn der Geburt noch körperlich zu bewegen wenn mir danach ist, um den Prozess zu unterstützen. Aber da man mir sagte Bewegung würde die Vorwellen unterstützen, aber nicht bewirken das sie Geburt losgeht oder voranschreitet, weil es eben noch keine Geburt sei, habe ich mich bis auf sanftes Hüftkreisen hin und wieder eigentlich nur in liegenden und sitzenden Positionen unter der Geburt befunden.
  • Tönen oder Stille: In den ganzen tollen Hypnobirthing Videos sieht man die Frauen oft bis zu dem Moment in dem sie ihr Baby in den Armen halten ganz still daliegen, sitzen, hocken. Sie atmen tief, die Augen sind geschlossen. Mir wurde schon bei den Vorwellen klar das dies nicht mein Weg sein würde. Mir half es bei starken Wellen bei der Ausatmung sanft zu tönen, eher zu stöhnen (Ina May Gaskin sagt Frauen die tolle Geburten haben klingen dabei meist, als hätten sie großartigen Sex ;)). Immer bedacht das ich meinen Kiefer locker lasse und meine Stirn nicht verkrampfe damit der Muttermund schön weich werden kann. Bei den Presswellen habe ich dann wie bereits geschrieben eine ganze Palette an Urtönen heraus gestöhnt bis geschrien. In Videos von angeblich schönen Geburten hat es mich immer sehr irritiert und stellenweise geängstigt wenn ich die Frauen dort habe stöhnen oder schreien hören, weil mein Hirn dies sofort mit starken Schmerzen assoziiert hat. Jetzt weiß ich das dem nicht so ist, bei mir war es einfach ein Ausdruck von Kraft, ein mit der Energie und Urkraft gehen. Kein Ausdruck von Schmerz.
  • Schmerzen: Bei allen Methoden mit denen ich mich vorbereitet habe geht es darum unvoreingenommen an die Empfindungen unter der Geburt heran zu gehen, sie nicht sofort als Schmerz zu kategorisieren sondern zum Beispiel einfach als starke Empfindung, als Dehnung, als kraftvolle Energie etc. zu benennen. Dies ist einer der Gründe wieso von Wellen statt von Wehen gesprochen wird, da wir Wehen automatisch mit Schmerz in Verbindung bringen. Tiefe Entspannung durch Selbsthypnose produziert Endorphine, körpereigene starke Schmerzmittel. Die Oxytocinausschütung wird durch zärtliche, liebevolle Unterstützung durch den Geburtsbegleiter angeregt. Entspannung und Vertrauen statt Angst verhindert das die Durchblutung der Gebärmutter herabgesetzt wird, denn passiert dies, können sehr starke Geburtsschmerzen ausgelöst werden. Ich kann im Nachhinein nicht behaupten, meine Geburt wäre schmerzfrei gewesen. Spätestens als die Vorwellen zu Geburtswellen wurden, waren die Empfindungen stark und es fiel mir einfach schwer sie nicht als Schmerzen zu klassifizieren. Aber ich habe an diesem Punkt einfach meine Taktik geändert und den Schmerz bejaht. So wie ich eh bei jeder Welle innerlich affirmierte, dass diese mich näher zu meinem Kind bringt, dachte ich bei schmerzhaften Wellen innerlich laut „jaaa, jaaa, jaaa genau so, dass ist gut, mein Kind kommt zu mir, mein Muttermund öffnet sich“. Ich habe einfach versucht mich dem Gefühl hinzugeben und es nicht als etwas schlechtes, negatives zu sehen.
    Ganz ehrlich, damit ihr euch einen Eindruck machen könnt: Ich bin wirklich eine Mimi und super schmerzempfindlich und ich kann mir selbst wahnsinnig gut leid tun. Tätowierer machen sich gerne über meine Schmerzempfindlichkeit lustig, mir wurde schon gesagt ich klänge wie eine gebärende Frau beim tätowiert werden. Beim erstellen meiner Dreads habe ich zwei Tage fast ununterbrochen vor Schmerzen geweint und wäre am ersten Tag davon fast kollabiert und ich hatte schon so starke Menstruationskrämpfe das ich nur noch geheult habe und kurz davor war einen Notarzt anzurufen. Ich hatte unter der Geburt nicht ein einziges Mal Schmerzen die ich als unerträglich oder nicht aus haltbar betiteln würde. Die meisten Wellen waren einfach unangenehm, aber ich konnte durch atmen, affirmieren, visualisieren etc. gut damit umgehen.  Unter der ganzen Geburt habe ich zwei oder drei mal ein „Aua“ verbalisiert, in dem Moment als das Köpfchen und dann nochmal der Rest des Körpers aus mir aus trat. Auch das war in keinster Weise ein schrecklicher, unerträglicher, schlimmer Schmerz. Ja die Wellen waren teils unangenehm, aber es war alles in allem für mein Empfinden nicht schlimm und schon gar nicht der schlimmste Schmerz den ich je erlebt habe.
  • Angst: Eigentlich gab es unter der Geburt nur einen kurzen Moment der Angst, als ich plötzlich pressen musste und nicht wusste wieso, selbst dachte ich könne noch gar nicht weil offen sein und mich für diesen Moment von ein paar Wellen ganz alleine mit meinem Mann im Kreißsaal ohne Hebamme verwirrt und überfordert gefühlt habe. Sonst habe ich es tatsächlich geschafft, meine Ängste und Panik die mich vorher plagten, super abzubauen und wirklich mit Vertrauen in mich und meinen Körper in die Geburt zu gehen.

Wie haben sich die Wellen für mich angefühlt?

Zu guter Letzt ein Thema das mich selbst immer brennend interessiert hat. Ich habe meine Freundinnen gerne gefragt wie sich Wellen für sie angefühlt haben, denn schließlich ist das etwas in das ich mich nicht herein versetzen konnte. Natürlich ist das bei jeder Frau komplett individuell.
Übungswellen: Habe ich nur durch das hart werden des Bauches bemerkt, ohne weitere Empfindungen
Senkwellen: Haben mich stark an meine Menstruationsschmerzen erinnert, ein krampfartiges Zusammenziehen des Unterbauches
Vorwellen: Weiterhin Menstruationskrampfartig, aber tief nach unten und in Richtung Anus drückend empfunden
Eröffnungswellen: Starkes Ziehen und dehnen im Bauch, großer Druck in Richtung Anus/Po, stellenweise leichtes Ausstrahlen ins Kreuz und häufig Ausstrahlung von ziehenden Empfindungen die Oberschenkel hinunter.
Tatsächlich war es so wie ich oft gelesen hatte, wenn ich eine Welle aufkommen spürte und mich sofort daran machte ihr mit tiefer Bauchatmung zu begegnen fühlte sie sich komplett anders an, als wenn ich von ihr überrollt wurde. Ich kann mich an eine Welle erinnern, bei der ich sehr unbequem saß und den Fehler machte, mich in der Welle auch noch doof zu bewegen, ich kam irgendwie nicht mehr richtig in meine Atmung und ein Gefühl von unangenehmem elektrischen Impulsen kribbelt bis in meine Ohrläppchen.
Insgesamt empfand ich es immer als sehr erholsam und entspannend das zwischen den Wellen einige Minuten Pause sind, ich bemerkte den Beginn der Welle meist in einem dumpfen Gefühl im Bauch und konnte deutlich spüren wie sie anstieg, einen Höhepunkt erreichte und wieder abflaute. Während der tiefen Bauchatmung zählte ich innerlich meistens mit (wenn ich bis 20 oder mehr kam pro Ein- und Ausatmen fand ich dies hilfreich da ich wusste, dass die Welle schon wieder kurz vor dem abflauen war). Manchmal half es mir während der Wellen leicht mit den Hüften zu kreisen, generell mich zu entspannen oder mich vorne erhöht abzulegen, mich an meinen Mann zu hängen etc.

Gute Vorbereitung war meine halbe Miete

Ich habe einige Freundinnen und Bekannte die ebenfalls wundervolle und schmerzarme Geburten erlebt haben, ganz ohne sich entsprechend mental vorzubereiten. Allen gemein war meines Eindrucks nach, dass sie fähig waren sich voller Vertrauen in sich, ihren Körper und ihr Baby in den Geburtsprozess fallen zu lassen. Ich weiß das mir dies auf Grund meiner Persönlichkeitsstruktur und meinen starken Ängsten sicherlich nicht möglich gewesen wäre. Daher bin ich zutiefst dankbar für all die wundervollen Geburtshelferinnen, Hebammen, Coaches, Hypnobirthing Kursleiter, Doulas, Autorinnen und Co dort draußen, die Frauen wir mir helfen den Weg hin zu einer hingebenungsvollen Geburt zu gehen. In den nächsten Tagen werde ich in einem Beitrag über meine Geburtsvorbereitung nocheinmal tiefer in die Materie einsteigen und euch auch konkrete Bücher und Menschen vorstellen, die ich als besonders hilfreich empfunden habe.

1 Antwort
  1. Cia sagte:

    Liebe Karmindra,

    ich bin dir sehr dankbar für deinen Bericht und es freut mich sehr, dass deine Geburt so toll gelaufen ist. Ich habe auch immer nur schmerzlich-schlimme Sachen von Geburten gehört und es hat mich wohl mitunter geprägt in meiner Einstellung keine Kinder zu wollen. Du hast mir Mut gemacht, dass falls es doch passieren sollte, ich es selbst in der Hand habe meine Gefühle und Gedanken zu lenken und es keineswegs eine unschöne „Angelegenheit“ werden muss.
    Alles Liebe und Gute dir und deiner Familie und deiner Tochter ein wunderbares Leben in dem sie viel bewegen kann!

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