Honour your Womb Teil 3 – heilige Menstruation

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Stell dir vor, du wärst ein kleines Mädchen. In deinem Leben gibt es viele bedeutsame Frauen. Deine Mutter, deine Großmütter, Tanten, deine Klassenlehrerin, die Mutter deiner besten Freundin, deine große Cousine… und sie alle lehren dich, dass eine bedeutende Zeit auf dich zukommen wird. Jede Frau vermittelt dir auf ihre Art und Weise, dass du irgendwann von einem Mädchen zu einer Frau heranreifen wirst. Dieser Punkt wird gekennzeichnet durch deine erste Menstruation, ein grandioser Augenblick, ein Tag der Freude. Man erzählt dir liebevoll und einfühlsam das du irgendwann als Frau einmal im Monat bluten wirst, doch das du dich nicht fürchten musst, denn deine Mondblutung ist ganz normal, gesund und ja, sogar schön. Einmal im Monat wirst du ganz besonders in deiner Kraft stehen, wirst voller Magie und Leben sein. Denn wir Frauen sind mit allem verbunden, mit den Rhythmen und Zyklen der Natur, der Gezeiten, mit denen des Mondes. Auch du wirst diese Zyklen durchlaufen, Monat für Monat wirst du dich wandeln, verschiedenste bereichernde Qualitäten spüren und für dich nutzen können. Du freust dich auf dieser Zeit und darauf, dass erste Mal zu bluten. Jedes Mädchen freut sich auf diesen Moment, denn er bedeutet zur Frau und somit auch, in den Kreis der Weisen Frauen aufgenommen zu werden. Du weißt das es dir zu ehren ein wunderschöne Fest, ein Übergangsritual geben wird, zu dem alle Frauen aus deiner Familie eingeladen sind. Alle tragen rote Farben, es gibt ein richtiges Festessen, Musik und sogar Geschenke. Alle werden dich beglückwünschen und dich willkommen heißen. Es ist dir überhaupt nicht unangenehm mit den dir vertrauten Menschen über dieses Thema zu sprechen, denn es ist vollkommen normal und natürlich. Die anderen Frauen geben dir Tipps, was du in dieser ganz besonderen Zeit für dich tun kannst, wie du mit dieser ungewohnten, kraftvollen Energie umgehst.
Niemand erzählt dir von Schmerzen, Krämpfen, Übelkeit, Unpässlichkeit, Übellaunigkeit, Heulattacken oder Jähzorn. Davon wie schlimm es sein wird, dass eine Last ist einmal im Monat zu bluten, peinlich, unangenehm oder sogar gefährlich. Du wirst weder geohrfeigt noch abgelehnt, kannst alle deine Fragen offen stellen und stehst auch nicht irgendwann wie vom Donner gerührt mit Blut zwischen den Beinen da und weißt nicht was gerade mit dir passiert weil niemals jemand ein Sterbenswörtchen darüber verloren hat.
In jedem Dorf gibt es Menstruationshütten, so genannten rote Zelte. Du erlebst es bei deiner Mutter und deinen älteren Schwestern. Während ihrer Blutung werden sie von ihren Mitmenschen geachtet, niemand sagt Dinge wie „meine Güte, hast du deine Tage?“ sondern Männer wie Frauen, Alt und Jung wissen: Diese Zeit ist etwas besonderes. Frauen gelten als – besonders in ihrer Kraft stehend – und achten auf ihre Bedürfnisse in diesen Tagen. Wer möchte, kann in seiner Freizeit ein rotes Zelt besuchen, sich dort zurückziehen, meditieren, singen, an täglich stattfindenden Ritualen und Segnungen teilhaben. Hüterinnen der Zelte schaffen eine ruhige, geschützte Atmosphäre. Die Menstruation der Frau wird von allein als eine heilige, kraftvolle Zeit angesehen.

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Doch leider sieht unsere Welt anders aus. Menstruation wird von den allermeisten Frauen weder als schön, noch als heilig angesehen. Wir verbinden mit unserer Blutung häufig Unwohlsein, PMS, Schmerzen, Krämpfe, Stimmungsschankungen, Heißhunger und Leiden. Für Frauen mit Kinderwunsch ist sie oftmals verbunden mit Wut, Enttäuschung und Trauer, obwohl sie eigentlich ein monatlich wiederkehrendes Zeichen unserer Fruchtbarkeit ist.
In meinem Umfeld erlebe ich es eigentlich nie, dass Frauen in irgendeiner Art und Weise positiv auf ihre Blutung zu sprechen sind. Im besten Fall wird sie als lästig erduldet. Doch wie sollen wir unseren Mutterleib ehren und in Verbindung mit diesem stehen, wenn wir unsere Periode ablehnen? Manchmal scheint es mir, als wäre unsere Mens für viele der Inbegiff der Ablehnung. So viele negative Glaubenssätze über diese Zeit, so viel Scham, Wut, Trauer, Ekel. Wir mögen mit uns in Frieden sein, doch sobald wir bluten ist da diese Furcht vor uns selbst. Da läuft dieses Blut, welches wir am liebsten nicht sehen, riechen und schon gar nicht berühren wollen. Wenn ich über Menstruationstassen erzähle, reagieren viele Frauen schockiert.
„Aber das stinkt doch, das Blut was da raus kommt!“
„Oh Gott, dazu musst du doch da unten in dich reinfassen um die einzuführen und sie rauszuziehen, oder?!“,
„Und dann kippst du das Blut aus? Nein, dass geht ja gar nicht, wie ekelhaft!“

Im besten Fall wird unsere Gebärmutter geduldet, bis zum dem Zeitpunkt, einmal im Monat, wenn sie anfängt uns Probleme zu machen.
Was soll an dieser Sachen denn eigentlich schön oder heilig sein? Eine ganze Menge!

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Schon zu frühen Zeiten galten Frauen als etwas besonderes und ihrem Blut wurde eine besondere Macht zugesprochen. Doch im Verlauf der Zeit wandelte sich das Bild von dieser Heiligkeit soweit, dass unsere Menstruation in vielen Kulturkreisen sogar als unrein, schmutzig und sündig betrachtet wird. Sogar Aberglauben entwickelt sich, mit einer menstruierenden Frau in Kontakt zu kommen mache krank.
In unseren Gefilden glaubt zum Glück kaum jemand mehr, dass blutende Frauen solche negative Auswirkungen haben. Dennoch hat die Menstruation kein hohes Ansehen. Wir versuchen zu verheimlichen wenn wir bluten, schämen uns, fühlen uns unwohl. Unsere Kultur, Erziehung und auch die Werbeindustrie tragen eine Mitschuld an diesem Umstand.
Wenn Frauen bluten, so sollen es uns Tampons und Binden ermöglichen dies diskret zu verbergen. Niemand braucht mitbekommen, das wir bluten, wir werden nicht riechen oder tropfen und dürfen uns trotz Menstruation sauber und glücklich fühlen.
Blütenweiße Binden oder Tampons, auf die eine hygienisch einwandfreie, blaue Flüssigkeit geträufelt wird, welche unser Blut darstellen soll, implizieren uns das unsere Blutung schmutzig ist, aber zum Glück Abhilfe geschafft werden kann.
Wir werden in dem Glauben erzogen, dass wir mit unserer Mens eine große Last mit uns tragen müssen. In dieser Zeit seien wir besonders umständlich, zickig, sensibel oder aggressiv. Wir hätten Schmerzen im Bauch und Rücken, vielleicht auch im Kopf und anderswo. Aktivitäten sind nur eingeschränkt möglich, Sport und Schwimmen gilt als eher ungünstig in jener Zeit. Aber gegen all diese Probleme gibt es natürlich Tampons, Binden, Pillchen, Tabletten und Hormonpräparate. Manche Frauen nehmen die Pille durch um nicht bluten zu müssen. Andere lassen sich Hormone spritzen oder ein Stäbchen implantieren. Oft habe ich von Frauen gehört wie praktisch es doch sei, man könne eine Schwangerschaft verhindern und zeitgleich diese lästigen Blutungen unterbinden.chanel-baran-divine-flow-web
Doch unser Blutung ist so viel mehr. Es ist unser ureigenen Zyklus, unsere Verbundenheit mit den Zyklen der Erde. Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Zeit der Fruchtbarkeit, Zeit des Blutes. Unser Körper zeigt mit unserer Mondblutung beispiellos seine Verbundenheit mit den Zyklen der Natur. Oft ist Zyklus der Frau so lang wie ein Mondzyklus. Wenn Frauen länger ohne hormonelle Verhütung leben ist oftmals zu beobachtet, dass sie zu Vollmond ihren Eisprung haben und an Neumond menstruieren.
Wer kennt nicht den Spruch und die dahinterliegende Tatsache, dass sich die Zyklen von Frauen in einer Gemeinschaft und engeren Freundschaften aneinander angleichen?!
Leider hat Verhütung von Schwangerschaften einen so hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen, dass viele Frauen keinen eigenen Zyklus mehr haben. Ich will an dieser Stelle keinesfalls von hormoneller Verhütung abraten! Ich selbst habe viele Jahre die Antibabypille genommen und denke, die Frage der Verhütung ist eine sehr intime, individuelle Entscheidung, die jede Frau für sich selbst treffen muss. An dieser Stelle möchte ich lediglich dafür sensibilisieren, dass wir bei der Erhebung des Kosten-Nutzen Faktors berücksichtigen sollten, wessen wir uns berauben, sobald wir uns für eine hormonelle Verhütungsmethode entscheiden.
Jede Phase unseres Zyklus hat seine ganz eigene Qualität und diese sind so individuell wie jede Frau selbst. Es ist sehr lohnenswert unseren Zyklus zu allererst einmal bewusster wahrzunehmen. Wo stehe ich gerade? Wie lange ist mein Zyklus? Ist er regelmäßig oder schwankend? Wann sind meine fruchtbaren Tage, wann geht es auf meine Menstruation zu. Ein Mondtagebuch anzulegen, eine Form des Zyklustagebuchs, ist hilfreich und bereichernd. Hier können wir festhalten wie wir uns fühlen und was uns bewegt. Nach einer Weile läßt sich so herausfinden, in welche Zeit im Zyklus wir eher introvertiert oder extrovertiert sind. Gibt es Tage an denen ich besonders kreativ bin? Wann bin ich gesellig, wann genieße ich den Rückzug und Zeit für mich? Bin ich vor dem Eisprung besonders abenteuerlustig, oder halte ich während meiner Mens die besten Vorträge?
Uns so gut kennenzulernen hat enorm viele Vorteile. Erst einmal entwickeln wir eine Achtsamkeit für uns und unseren Körper und darüber hinaus können wir dieses Wissen gezielt einsetzen. Wenn ich ein Projekt vor der Brust habe, weiß ich somit wann ich dieses am besten umsetze. Ich weiß an welchen Tagen ich meine Massagetermine legen sollte, wann ich den besten Sex habe und welcher Termin perfekt für mein nächstes Vorstellungsgespräch ist.

Unsere Menstruation ist oft eine Zeit ganz besonderer Energie. Wichtig ist, dich in diesen Tagen gut zu behandeln und auf deine Bedürfnisse zu hören. Vielleicht möchtest du mehr oder weniger Kontakt zu anderen Menschen. Die Abgespanntheit und Gereiztheit, die von vielen Frauen empfunden wird, kommt oft von einer besonderen Sensibilität für uns umgebende Energien. Unsere Blutzeit ist eine magische Zeit, wir verfügen über sehr viel Energie in unserem Inneren, sind aber auch empfindsamer für die uns umgebende.  Es gibt so viele Möglichkeiten, diese Zeit zu zelebrieren.

*Besuche ein sogenanntes Red Tent (rotes Zelt) oder schaffe dein eigenes – es muss kein Zelt sein, vielleicht hast du einen Raum in deiner Wohnung den du eigens dafür gestalten und dekorieren kannst. Oder suche dir eine kleine Ecke in deinem Heim und erklären ihn für diese Zeit zum heiligen Raum.
*Lade Freundinnen ein um mit dir zu singen, zu tanzen, zu beten, kochen, reden oder einfach nur zu lachen. Vielleicht gestaltet ihr euer eigenes kleines Segnungsritual, bemalt euch gegenseitig mit Ocker und heiligen Symbolen, salbt eure Bäuche mit duftendem Öl und massiert euch eure Füße, Hände oder verspannten Schultern.
*Räucher deine Wohnung aus, experimentiere mit verschiedenen Räucherstoffen. Vielleicht gibt es etwas das du zu dieser Zeit nicht riechen kannst, oder ein Duft der dich besonders anspricht.
*Gehe in Kontakt mit deinem Blut. Über winde deine Scham, deinen Ekel. Dein Blut ist ganz natürlich, es kommt aus dir, es ist weder ekelhaft noch abstoßend. Vielleicht möchtest du damit malen (auf Papier, Leinwand, Stein, dir selbst?!), es in kreative Prozesse mit einbinden, mit ihm zaubern, es als Opfer darbringen oder es in dein Pflanzenwasser geben.
*verwöhn dich nach allen Regeln, höre in dich hinein ob du jetzt gerne in Bewegung kommen möchtest oder Ruhe brauchst, ein heißes Bad oder eine lange Radtour.
*Du kannst einen Mondblut-Altar gestalten. Suche Symbole, Muscheln, Steine, Bilder, Skulpturen welche für die Göttin, Weiblichkeit, Brüste, Vulva, Blut etc. stehen. Er bietet auch Raum um Monatshygieneartikel außerhalb unserer Blutzeit aufzubewahren und somit aufzuladen.
*Lebe deine Sexualität, berühre dich, erkunde deinen Körper. Vielleicht hast du dich in dieser Zeit niemals selbst angefasst oder Sex gehabt. Spüre wie es sich anfühlt, ob etwas anders ist. Viele Frauen erleben Erregung und Orgasmen während ihrer Menstruation als besonders intensiv. Vielleicht möchte dein Partner mit dir auf Entdeckungsreise gehen. Wenn ihr noch nie darüber gesprochen habt, wird es Zeit!
*Ich fertige gerne Mondblutketten an, z.B. aus roten Perlen, oder einem schlichtem Anhänger. Als Edelsteine eigen sich vor allem Granat (als symbolicher Blutstein) und  Mondstein (klassischer Frauenstein)

Es gäbe noch so viel zu diesem unheimlich spannenden Thema zu schreiben. Wenn du dich näher mit deiner Mondblutzeit auseinander setzen möchtest, wenn du die Heiligkeit selbst spüren, entdecken und erleben möchtest, kann ich dir einige fantastische Bücher ans Herz legen:

Code Red
Moon Time
Das Schwarzmond-Tabu
Die weise Wunde Menstruation

Drachenzeit
Roter Mond

Da Schmerzen und Unwohlsein während der Menstruation für unzählige Frauen ein großes Thema sind, werden wir uns dieses Kapitel in der kommenden Ausgabe von „Honour Your Womb“ noch einmal genauer ansehen. Ich werde für euch meine persönliche Trickkiste öffnen und euch teilhaben lassen an meiner Mondblutroutine.

Photos by Chanel Baran

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