„Ich schaff es einfach nicht“ – Durchhalten & Dranbleiben

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Ob Gesunde Ernährung, regelmäßiger Sport, spirituelle Praxis, Abstinenz von Genuß- oder Rauschmitteln. Wir alle kennen das Gefühl uns etwas vorzunehmen, gute Vorsätze zu schmieden und letztendlich bei der dauerhaften Umsetzung zu scheitern. „Wie schaffen die anderen das nur?“ habe auch ich mich schon oft in meinem Leben gefragt. Welches Geheimnis steckt hinter dem Erfolg? Eiserene Disziplin? Haben andere Menschen vielleicht gar keinen inneren Schweinehund? Hier meine Tipps und Tricks zum Durchhalten und dran bleiben:

Realistische Ziele setzen – Wenn ich mir vornehme täglich zu meditieren sollte ich diesen Vorsatz auf seine Alltagstauglichkeit überprüfen. Wie sieht mein Tagesablauf bisher aus? Wann stehe ich auf, wie gestalte ich meinen Morgen bevor ich aus dem Haus muss oder die Kinder zu versorgen sind, wie sieht es nach dem Feierabend aus, wann esse ich, schaue ich Abends fern oder lese, habe ich mich um andere Familienmitglieder zu kümmern, gehe ich früh ins Bett? Als ersten Schritt sollte ich mir ein realistisches Ziel setzen, egal ob es um Meditation geht, um Sporteinheiten oder eine Ernährungsumstellung. Wenn mein Tag bisher total zugestopft und verplant ist werde ich höchstwahrscheinlich scheitern wenn ich jeden Morgen oder Abend eine Stunde lang meditieren möchte. Werde ich dafür wirklich jeden Tag den Wecker eine Stunde vorstellen? Habe ich Abends noch die Energie dafür? Je öfter wir scheitern in der Umsetzung, desto wahrscheinlicher werden wir frustriert die Flinte ins Korn werfen. Also plane vielleicht erst einmal eine Viertel Stunde Meditation täglich. Eventuell solltest du dich noch gar nicht festlegen zu welcher Tageszeit sondern es von den jeweiligen Programmpunkten angepasst tagtäglich neu ausmachen. Wichtig ist nur – versuch das Ziel jeden Tag zu erreichen. Schieb die Viertelstunde nicht den ganzen Tag vor dir her um dir dann Abends zu sagen „ach ne, heute war irgendwie keine Zeit und jetzt bin ich zu geschafft“.

Erinnerungen schaffen – Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einer Frau über das Problem etwas tolles neues für sich entdeckt zu haben das man gerne im Alltag integrieren möchte und plötzlich einfach nicht mehr daran zu denken. Mir passiert das oft mit Dinge wie Achtsamkeitsübungen oder kleineren Dingen die ich mir zur Gewohnheit machen möchte. Einmal las ich in einer Zeitschrift von einer wundervollen Herz-Atemübung. Ich führte sie ein paar Tage regelmäßig immer mal wieder durch während ich auf den Bus wartete, an der Kasse stand oder sich irgendein anderes klitze kleines Zeitfenster dafür öffnete. Es ging schnell, war unkompliziert und fühlte sich toll an. Das ganze ging ca. eine Woche lang gut bis ich nach fast einem Monat plötzlich erschrak und dachte „oh, gab es da nicht diese tolle Herzübung die ich jeden Tag machen wollte?“ Sie war plötzlich einfach weg! Manchmal holt uns der Alltag mit seinem alten Trott einfach unglaublich schnell wieder ein und neue Verhaltensweisen gehen darin unter. Es kann helfen sich Erinnerungsstützen zu bilden. So kann man zum Beispiel den Erinnerungstimer im Handy auf eine bestimmte Tageszeit stellen oder sogar alle ein bis zwei Stunden ertönen lassen. Auch Einträge in unseren Wand- oder Taschenkalender können helfen, vielleicht kleine Post-Its am Badezimmerspiegel, am PC-Monitor, irgendwo dort wo wir während des Tages immer mal wieder hinschauen. Dabei kann es außerdem hilfreich sein die Orte zu wechseln denn unser Gehirn gewöhnt sich schnell an die kleinen Zettel wenn sie immer an gleicher Stelle hängen und übersieht sie einfach.

100 Days to go – Verhaltensforscher haben herausgefunden das der Mensch eine neue Verhaltensweise 100 Tage lang bewußt durchführen muss bevor es zu einer Gewohnheit wird. Mich erinnert das immer an die Schule, dort haben wir ca. einen Monat vor den Ferien immer ein Blatt bekommen auf dem lauter Punkte in Smartie Größe ausgedruckt waren in denen eine Zahl stand. Jeden Tag durften wir einen Punkt ausmalen bis wir am Ziel und somit am Tag vor den Ferien angelangt waren. So etwas kann man auch für die 100 Tage bis zur Gewohnheit basteln, oder wir markieren uns die 100 Tage deutlich sichtbar im Kalender und kreuzen jeden geschafften Tag Abends weg. Es kann sehr motivierend sein zu sehen wie weit wir schon gekommen sind und das wir uns unserem Ziel immer weiter nähern. Eine Erinnerung in visueller Form wird dadurch gleich mitgeliefert.

Ausnahmen nicht zur Aufgabe werden lassen – Es gibt nicht nur den berühmten Satz „Gleich Morgen fange ich mit xy an“ sondern auch „gleich Morgen mache ich mit xy weiter“. Denn seien wir ehrlich – nobody is perfect. Egal wie viele Erinnerungen ich mir setze, wie angargiert ich bin und mag ich auch noch so motiviert sein, es gibt Tage da läuft es schief. Da breche ich meine Yogastunde nach 20 Minuten entnervt ab, fühle mich zu krank, schwach oder müde für Sport, lasse ich meine frischen Säfte- oder Smoothies stehen und greife zum Schokocrossaint oder ende auf der Couch anstatt auf dem Meditationskissen. Die Falle liegt nicht im Aussetzer an sich sondern in der Spirale die dadurch oft ausgelöst wird. Haben wir an einem Tag ernährungstechnisch gesündigt nehmen wir das oft zum Anlass uns gehen zu lassen oder alle guten Vorsätze dauerhaft über Bord zu werfen. Klingt unlogisch? Eine Ausnahme ist doch nur eine Ausnahme? Eben! Aber wir machen oft aus einer Ausnahme eine Aufgabe. Es ist wie der Raucher der eigentlich aufgehört hatte und auf einer geselligen Party doch nochmal eine Zigarette rauchen will, daraufhin aber in alten Trott verfällt und wieder richtig mit dem Rauchen anfängt. Viele kennen beim Genuß von stark zuckerhaltigen, fettigen oder Produkten mit Weizen die Gedanken „jetzt habe ich schon xy gegessen, jetzt kommt es auf zwei der drei Stücke/Portionen/Scheiben/Tüten/Teller mehr auch nicht an“. Auch fällt der Wiedereinstieg in sportliche Aktivitäten um so schwerer je länger die Pausen waren die wir zwischen den Workouts eingelegt haben. Nach einem Tag Pause mag meine Motivation schon etwas eingeknickt sein, aber nach 3 Tagen oder einer Woche habe ich mich vielleicht schon ganz gemütlich in meiner „ich habe überhaupt keine Lust darauf Laune“ eingerichtet. Verbucht jeden Ausrutscher als „Shit Happens“ und macht weiter! Wenn ihr Mittags ein riesiges Stück Torte gegessen habt, wählt Abends trotzdem den Salat oder die Gemüsepfanne und denkt euch nicht „hach dann kann ich jetzt auch noch nen Burger essen der Tag ist eh Ernährungstechnisch versaut“. Sagt euch jeden Morgen „neuer Tag, neues Glück“, alles auf Reset und los geht es wieder, immer euer Ziel vor Augen.

Gemeinschaft – Es hilft sich einer Gemeinschaft anzuschliessen die ähnliche Ziele hat. Egal ob es um Sport, Yoga, Meditation oder Ernährung geht, zu jedem Thema finden sich im Internet Foren, Facebook-Gruppen, Blogs und Communities mit Gleichgesinnten. Falls du keine Lust hast dich mit Fremden zusammen zu tun, vielleicht gibt es Freunde, Verwandte, Bekannte oder Kollegen die gleiche Interessen und Ziele haben. Erinnert und bestärkt euch gegenseitig indem ihr euch Austauscht, eventuell gemeinsam praktiziert, kocht, esst. Tauscht Erfolge und Rückschläge aus und motiviert euch zum Durchhalten. Gemeinsam sind wir immer stärker.

Ich wünsche euch viel Spaß und Veränderung!

 

 

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