Ostara, ein Name der Frühlings-Tagundnachtgleiche, auch Equinox genannt, oder Alban Eilir in der druidischen Tradition, gilt für viele als das ursprüngliche Fest, aus dem das heute bekannte christliche Osterfest entsprungen ist. Das christliche Ostern fällt auf den ersten Sonntag, der auf den 1. Vollmond folgt nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche folgt. Diese wird zwischen dem 20. und 23. März gefeiert und markiert den Frühjahrsbeginn. Der Name Ostara soll von der germanischen Göttin Ostara/Eostre stammen, Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings und der Morgenröte. Ich schreibe „soll“, da es bis heute umstritten ist ob es diese Göttin wirklich gab. Hierzu liest man in einem wunderbaren Artikel über die Göttin Ostara auf artdea.net folgendes:

Historisch und kulturwissenschaftliche wird oft angezweifelt, dass eine Göttin mit dem Namen Eostra oder Ostara tatsächlich verehrt wurde. Sie soll eher eine romantische Erfindung der Neuzeit sein. So steht im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens aus dem Jahre 1935: „Wenn schon eine angelsächsische Eostra auf schwachen Füßen stand, hielt die Forschung erst recht eine deutsche Göttin Ostara für nicht nachweisbar.“

Allerdings spekuliert Jacob Grimm in seinem Werk „Deutsche Mythologie“ über eine germanische Göttin mit dem Namen Ostara, auf der Basis von Bedas Eostrae:
„Die beiden göttinnen, welche Beda (de temporum ratione cap. 13) ganz kurz, ohne nähere schilderung, bloß zur erklärung der nach ihnen benannten monate anführt, sind Eástre und Hrede; von dieser hat merz, von jener april seinen sächsi[s]chen namen.“

Ein weiteres etymologisches Indiz, das Grimm heranzieht ist der „ôstârmanoth“ (Ostermonat – ahd. für April): Er kommt zum Schluss:
„Ostara, Eástre mag also eine Gottheit des strahlenden Morgens, des aufsteigenden Lichts gewesen sein, eine freudige, heilbringende Erscheinung, deren Begriff für das Auferstehungsfest des christlichen Gottes verwandt werden konnte.“

Strahlende Göttinnen der Mor­gen­röte bzw. der Morgen­däm­me­rung tragen Namen, die jenen der Göttin Ostara oder Eostra ähneln: die litauische Göt­tin Ausrine, die let­ti­sche Auseklis, die rö­mi­sche Aurora, die grie­chi­sche Eos, die hin­dui­sti­sche Ushas. Diese „Ahnin­nen“ der Ostara steigen also ver­heißungs­voll je­den Morgen im Osten auf, um den neuen Tag zu brin­gen. Sprachethymologisch gibt es auch eine Verwandtschaft zu Astarte, der Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin aus dem syrisch-phönikisch-westsemitischen Raum.

Egal ob wir nun an Ostara als Göttin glauben oder nicht, die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche ist der astronomische Frühlingsbeginn, es ist ein Fest der Wiedergeburt und der Fruchtbarkeit, symbolsiert durch die altbekannten Eier und Hasen, die uns auch zu Ostern begegnen. Übrigens waren früher auch Fuchs, Kuckuck und Storch Fruchtbarkeitsboten und Oster-Tiere, der berühmte „Osterhase“ setzte sich jedoch letztendlich durch.
Die im schottischen und irischen Raum bekannte Wintergöttin Cailleach wird nun zur Frühjahrsgöttin Brigid. Auch wenn Beltaine zu Beginn des Mai das Fruchtbarkeitsfest schlechthin ist, finden wir schon zu Ostara starke Fruchtbarkeitsbezüge. Blicken wir auf das traditionelle Osterfest, pflegte man zum Beispiel in Österreich früher das Schlagen mit einem Lebensrute. Dies wurde „Schmeckostern“ genannt. Mit breits ergrünenden Zweigen von Weide und Birke wurden junge Mädchen am Ostermorgen aus ihren Betten hinaus getrieben. Dies sollte die Fruchtbarkeit steigern.

Das Ei symbolsiert seit jeher in vielen Kulturen neues Leben, Fruchtbarkeit und Wiedergeburt. Der Brauch bunte Eier zur Frühjahr- Tagundnachtgleiche in die Bäume zu hängen, stammt aus dem antiken Griechenland und Rom. Im Mittelalter färbte man die Eier zu Ostern traditionell rot, um an das Blut Christi zu erinnern. In China verschenkt man rote Eier als Symbol der Fruchtbarkeit zur Geburt oder dem 1. Geburtstag eines Kindes.

Ideen zur Gestaltung des Ostara-Festes

Sonnenaufgang beobachten

Die Frühlings-Tagundnachtgleiche ist ein Tag der vollkommenen Balance zwischen den Gegensätzen, zwischen Licht und Dunkelheit. Tag und Nacht sind an den Equinoxen exakt gleich lang. Es ist ein schöner Brauch den Tag gemeinsam mit einem sehr frühen Spaziergang und dem beobachten und Willkommen heißen des Sonnenaufgangs zu begrüßen.

Samen aussähen

Ostara ist das Fest des Neubeginns. Dinge die über den Winter hinweg gereift sind, kommen nun ans Licht und setzen ihr Wachstum sichtbar fort. Schon kleinere Kinder haben ihren Spaß daran, Samen auszusähen. Wenn du möchtest, kannst du dies rituell gestalten, oder einfach in Achtsamkeit mit einer bestimmten Intention. Frage dich, welche Qualitäten du dir in deinem Leben wünschst. Vielleicht mehr Liebe? Freude? Leichtigkeit? Konzentriere dich auf deinen Wunsch und gebe ihn in die Samen hinein. Stelle dir vor wie eben jene Qualitäten mit den ausgesähten Pflanzen anfangen werden zu sprießen und zu wachsen.

Fenster offen stehen lassen

Ganz unspektakulär und einfach läßt sich dieser Brauch umsetzten, bei dem du ein Fenster in der Nacht auf die Tagundnachtgleiche offen/gekippt stehen läßt, um die Luft und damit die Qualität und Energie jenes Tages hineinzulassen. Außerdem hörst du vielleicht am frühen Morgen so die Frühjahrsboten in Form von Vogelgesang in deinem Heim.

Ostarawasser holen

Wasser welches am Morgen des Ostersonntag aus einer Quelle, einem Bach oder Fluss geholt wurde, galt als heilkräftig. Ebenso ist die Tagundnachtgleiche ein magisches Datum an dem du dein eigenes Wasser schöpfen kannst. Zur inneren Anwendung solltest du natürlich nur Wasser nutzen, welches Trinkwasserqualität hat. Aber du kannst dein Ostarawasser auch äußerlich anwenden, es zum Beispiel rituellen Bädern zusetzen, für Schönheitszauber, damit reinigen (siehe den letzten Vorschlag dieses Beitrags), dich oder jemand anderen segnen. Quellen waren früher Orte, an denen der Göttin gehuldigt wurde. Zu ihren Ehren kannst du ein kleines Blumenopfer in das Gewässer geben, aus dem du dein Wasser gewinnst. Am wirksamsten soll das Wasser sein, wenn du es vor Sonnenaufgang und schweigend schöpfst.

Ostarafeuer entzünden

Feuer hat eine starke, reinigende, verwandelnde Kraft. Es hilft uns auch energetisch uns zu transformieren, das Alte zu verbrennen und hinter uns zu lassen. Es hinterläßt Asche und fruchtbaren Boden. Zu früheren Zeiten wurden Feuer vor allem auf Hügeln und Anhöhen entzündet. Strohpuppen die den Winter symbolisierten wurden verbrannt und wie auch zu anderen Zeiten im Jahreskreis, wurden Feuerräder die Hügel hinunter gerollt. Ob ein kleines Feuer in der Schale in dem du Zettel verbrennst, auf denen steht was mit dem Winter nun sterben soll, oder ob du mit Kindern zusammen Stockbrot über den Flammen bäckst, oder gemeinsam mit Freunden an einem größeren Feuer ausgelassen feierst. Genieße und zelebriere den Tag und erfreue dich an den tanzenden Flammen.

Ostara-Kranz backen


Eigentlich kann man natürlich zu jedem Jahreskreisfest ein passendes Gebildebrot backen. Allerdings passt es zu Ostara besonders gut. Der Brauch lebt noch heute im traditionellen Osterkranz weiter. Neben dem klassischen Hefezopf der aus drei Strängen geflochten wird, kannst du auch zu Ostara passende Symbole backen. Das Gebäck kann wie ein Osterhefekranz mit bemalten Ostereiern dekoriert werden. Dazu werden rohe Eier an den gewünschten Stellen kurz vor dem backen in den Hefeteig gedrückt, nachdem der Teig nocheinmal 15 Minuten ruhen durfte kommt er in den Backofen. Nach dem backen, werden die verwendeten Eier durch bemalte Ostaraeier ersetzt.
Einen Rezept für einen Gibildebrot-Hefeteig (sogar vegan), findest du in meinem Imbolc Beitrag.

Ostaraeier färben

Solltest du nicht vegan leben, so sind Eier wie schon erwähnt ein traditioneller Bestandteil des Ostara-Festes. Beim bemalen und verzieren der Eier sind deiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Du kannst sie mit Spiralen, Runen, Göttinnenfiguren und anderen Symbolen bemalen, oder dich an bestehenden Traditionen wie zum Beispiel sorbischen Ostereiern orientieren und dich insprieren lassen. Ich färbe Eier gerne im Sud, aber vorher sammle ich verschiedene Blätter und Blüten. Diese werden mit einer alten Nylonstrumpfhose, in die ich das Ei binde, an der Schale fixiert. Dann kommt alles zusammen in den Färbersud, danach wird der Nylonstoff vorsichtig zerschnitten. Unter dem Pflanzenrest hat sich ein Abdruck auf der Eierschale gebildet.
Wenn du Lust und Zeit für eine besonders spannende Weise des Eierfärbens hast, dann kannst du diese mit Naturmaterialien färben. Das besondere daran ist, dass man nie zu hundert Prozent sicher sein kann, wie das Ergebnis schlussendlich aussieht. Bedenke auch, dass die Farben auf braunen, weißen, cremefarbenen oder bläulichen Eierschalen jeweils unterschiedlich aussehen.

Rezept zum Färben mit Naturmaterialien

je nach Substanz 10-50 Gramm Naturmaterial in 1 Liter kochendes Wasser geben
lange Zeit, am besten über mehrere Stunden köcheln lassen
zum Abschluss die Eier für 10 Minuten hineingeben und weiterköcheln
dabei gelegentlich vorsichtig umrühren

Naturmaterialien und deren Farbergebnisse

Johanniskraut – gelbbraun
Zwiebelschalen – braun
Zwiebelschalen (rote Zwiebeln)  – rotbraun
Matetee – grün
Kurkumawurzel – gelb
Petersilie – grün
getrocknete Blaubeeren – lila
rote Beete – rot bis blau
Walsnusschalen – braun
Rotkohl – blau
Stockrosenblüten/Malve – bläulich
Hibiskusblüte – grün bis gelb, manchmal rosa

Eierjagd

Ein Brauch den vor allem Kinder vom klassischen Osterfest lieben, ist die Suche nach den bunten Ostereiern. Statt bunter Eier kannst du auch Körbchen mit Schokoladeneiern (gibt es auch in veganer Ausführung), Blumen, Hasenfiguren oder Kristallen gefüllt verstecken.

Picknick

Nutze bei gutem Wetter den Tag für einen Ausflug mit der Familie und anschließendem Picknick. Natürlich kannst du auch alleine für dich feiern, oder Freunde und Bekannte für ein großes Putlock einladen, bei dem jeder etwas zu Essen und Trinken mitbringt.

Grüne Neune Suppe kochen

Nicht nur zum Gründonnerstag sondern auch zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, ist das kochen einer leckeren Suppe voller Wildkräuter eine hervorragende Idee. Nach dem langen Winter nutzen schon unsere Vorfahren die Kraft der Kräuter um ihre Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralien anzureichern. Dazu werden 3×3 – also 9 – Wildkräuter gesammelt und verwendet. Zum Beispiel Brennnessel, Giersch, Vogelmiere, Löwenzahn, Spitzwegerich, Blutampfer, Sauerampfer, Pimpinelle, Knoblauchrauke, Taubnessel, Brunnenkresse, Frauenmantel, Breitwegerich, Schnittlauch, Thymian, Scharbockskraut (nur vor der Blüte), Kerbel, Petersilie, Bärlauch.

Rezept für Neunkräutersuppe:

1 Zwiebel
250 Gramm firsche Kräuter
50 Gramm Butter
2 EL Dinkelmehl
1 Liter Gemüsebrühe
1/2 Becher Sahne

Die Kräuter kleinschneiden. Die Zwiebel kleinhacken und in Butter andünsten, dann Mehl darüber streuen und anschwitzen. Nach und nach Brühe zugeben und glatt rühren. Die Kräuter in die Brühe geben und 10 Minuten ziehen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Sahne abschmecken. Auf Wunsch pürieren.

Dein Hause segnen

Jahreskreisfeste eigenen sich in der Regel wunderbar um das eigene Heim zu segnen. Hole dir erste Frühlingsblumen wie Tulpen und Narzissen ins Haus, stelle sie in eine Vase oder binde Kränze daraus. Räuchere alle Räume mit Beifuß oder einer Räucherung deiner Wahl aus. Gestalte einen Altar mit gelben und grünen Farben, Körben, Kerzen, Blumen, Hasenfiguren und Eiern. Versprenkel Ostarawasser in deinen Räumen oder gib einen Schuss in dein Putzwasser hinein.