Reflektionen – Midwinter Retreat der Wild Woman Sisterhood

Tell me a story of what is to come
Tell me a story of what has been
Tell me how things come to an end
Tell me how things come to be

Gather ‚round then and listen right well
Come and hear the story of the Dancer, Her colours
The great bowl of Tea and the field, a field of Dreams

Letztes Wochenende durfte ich nach dem wundervollen Vollmondretreat im September, am Wild and Sacred Midwinter Retreat in Holland teilnehmen.
Wochen vorher war ich schon sehr aufgeregt, gespannt und voller freudiger Erwartung. Am Freitag folgte jedoch ganz unverhofft und überraschend die Ernüchterung. Ich arbeite mehrmals im Monat auch an den Wochenenden. Um am Wintersonnenwend – WE frei zu bekommen, musste ich ein anderes übernehmen. So ergab es sich, dass ich bis zum vergangenen Freitag erst zwei Tage im Dezember frei hatte. Ich dachte erst, mir würde die viele Arbeit nichts ausmachen. Aber als ich an jedem Freitagmorgen die Augen öffnete war sie plötzlich da – die depressive Grundstimmung, Energielosigkeit, Missmut, von meiner Motivation weit und breit nichts mehr zu spüren.
Natürlich wollte ich trotzdem zum Retreat fahren, irgendwo dort würde ich meine Freude schon wiederfinden.

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Zusammen mit der Wilden Wölfin und einer weiteren Freundin fuhren wir also am frühen Nachmittag nach Haarlo. Dort erwartete uns ein sehr schönes, gemütliches Seminarhaus und ein Haufen ver-rückter, wundervoller, liebenswerter Frauen. Wir läuteten den Abend mit einem köstlichen, vielfältigen Potluck ein. Jede Schwester hatte etwas zu Essen mitgebracht, es gab Salate, Brote, Falafel, Antipasti, Auflauf und süße Leckerbissen. So teilten wir unser Essen und lernten uns ein wenig kennen bevor wir zum rituellen Teil des WE übergingen.
Im Kreis der Schwestern, um unsere wunderschöne Kreismitte versammelt, knüpften wir die ersten Schnüre, meditierten, erdeten uns, begegneten und in Partnerübungen und lernten die Schönheit unseres Gegenübers zu sehen, ebenso wie unsere eigene Schönheit in ihnen zurück gespiegelt. Wir sangen, chanteten, wiegten uns, öffneten unsere Herzen, liessen Tränen laufen und spürten das Band der Verbundenheit untereinander. Eine jede dufte so sein wie sie ist, wurde vollkommen angenommen, geachtet, geschätzt und geliebt. Wie es der Leitgedanke der Wild Woman Sisterhood ist, traten wir uns nicht als Konkurrentinnen gegenüber, sondern als Schwester die sich gegenseitig unterstützen und bereichern.

Bevor wir den Abend beschlossen, erfuhren wir ein bisschen, was uns am folgenden Tag erwarten würde. Yoga stand am Morgen nach dem Frühstück auf dem Plan und ein zweistündiger Tanz wurde angekündigt. Mit Unbehagen und Lustlosigkeit ging ich ins Bett, in der Hoffnung am Samstag voller Energie und Freude zu erwachen.
Leider schief ich die erste Nacht ausgesprochen schlecht, lag lange wach, schlief nicht durch und war mit eine der Ersten die Samstag früh erwachte. Nun war ich nicht nur vollkommen leer, energielos, ausgebrannt und unmotiviert, sondern auch noch todmüde. Nichts in mir sehnte sich nach mehr als auf einem Sofa herum zu liegen und mich von einer Serie oder etwas anderem anspruchslosen berieseln zu lassen – einfach nichts zu tun. Ich hatte keine Lust auf Yoga, schon gar nicht auf zweistündiges tanzen.
Wir waren dazu angehalten sehr gut auf uns zu achten und unseren Bedürfnissen zu folgen. Wir durften schlafen, spazieren gehen oder wonach auch immer uns den Sinn stand. Es war vollkommen okay nicht teilzunehmen, alles war nur ein Angebot, eine Einladung. Aber ich wollte nicht schlafen, nicht in der Ecke liegen, ich war schliesslich hergekommen um mitzumachen! Also machte ich mit, schleppte mich auf meine Yogamatte und erlebte eine genussvolle, energetische Yogastunde deren Ausläufer bis in den Mittag hinein andauerten.
Nach dem Mittagessen machte ich mit meinen Freundinnen einen Spaziergang. Ich war immer noch furchtbar müde und furchtbar unmotiviert. Doch obwohl mich mehrere Frauen ansprachen, mir anboten mich schlafen zu legen, ich blieb und wollte den „Tanz des Lebens“ mitmachen. Irgend eine Stimme in mir trieb mich an, riet mir mitzumachen, auf mich wirken zu lassen.

Was dann folgte waren zwei wirklich intensive Stunden, Tanz und Meditation durch den Jahreskreis, durch den Kreislauf des Lebens. Von der Geburt bis zum Tod, uns selbst begegnen als freudiges Kind, in unserer Leidenschaft und Sexualität, unser inneres Feuer heraufbeschwörend, in unserer Kraft stehend, über die Ernte, der Dankbarkeit und dem Loslassen hinaus bis zur Konfrontation mit unseren dunkelsten Schatten, unseren größten Ängsten und der Einsamkeit. Stunden in denen wir tanzten, lachten, schrien, brüllten, auf standen, zusammenbrachen, wieder neu geboren wurden.
Am Ende des Tanzes war ich von Kopf bis Fuß durchgeschwitzt, vollkommen erschöpft, müde, aber vor allem: frei – glücklich – gelöst.

Nach dem Abendessen bereiteten wir uns auf die Tempelnacht vor. Wir duschten, kleideten uns in unsere liebsten Göttinnen-Gewänder, massierten uns gegenseitig mit duftenden Ölen, bemalten uns mit Farben und gingen hinein in eine wundervolle, sinnliche Tempelnacht.

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The Dancer looking into her own eye
Saw there was a circle
And from her iris these colours she spied:
Red, orange, yellow, Green, Blue, Purple
Round and Round, the colours spun out
In a widening tapestry
At the edges of which the colors merged

into a great bowl of Tea

 

Ah, making kisses out of starlight
scattering them to the wind
Gathering windswept kisses into gumdrops
Suck on the stones, spit them out again

Den Sonntag liessen wir ruhig beginnen, ich fühlte mich ausgeschlafen und gut, frühstückte lang, unternahm erneut einen Spaziergang. Später fanden wir uns zu einem Trommelkreis und einer kleinen Geburtstagspreisung einer Schwester ein.
Im Anschluss wurde der Höhepunkt der Retreats vorbereitet, ein lange, mehrstündiges, wundervolles, super intensives und tiefgreifendes Blessing. Jede von uns Schwestern durfte, dem Alter nach von Jung bis Alt, auf einem Thron Platz nehmen und wurde von den anderen Schwestern der Reihe nach gesegnet. Jede Schwester erfuhr, was wir in ihr sehen, welche Schönheit, Talente, Aufgaben, Göttinnen, Besonderheiten… Wir segneten uns und füllten unsere Herzen mit Liebe.
Für mich war dies ein so berührendes Ritual, wie so oft an diesem Wochenende flossen unzählige Tränen, Tränen der Schönheit, der Freude, des Glücks und der Liebe. Die Energie im Raum war für mich zeitweise kaum auszuhalten, so aufgeladen war die Luft.

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And so we too walked in to the field
Where all things sprout up and decay
Here we’ve lived, loved laughed and cried
Time will come, we too, here will lay
I remember her story like wiss of wind
Whispered through the reeds
As time wrapped around bones
Like a stone by the streem

 

Ah, making kisses out of starlight
scattering them to the wind
Gathering windswept kisses into gumdrops
Suck on the stones, spit them out again

 

I stood within a veil of tears
Crying for how things must be
I awoke renewed by the stars so near
And the rush of the blood pulsing through me
I saw it as a fleeting game
She came she left again she came
Spun ‚round the seasons
A Dancer of Joy and of pain

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Als ich Sonntag Abend in unser Auto stieg, glühte ich förmlich, mir war heiß, ich fühlte mich müde, erschlagen, fiebrig. Es dauerte nicht lang bis ich in einen leichten Schlaf fiel und erst nach einer Stunde wieder erwachte. Später am Abend spürte ich plötzlich in aller Deutlichkeit die Nachwirkungen dieses Wochenendes, mein Herz schien vor Liebe und Dankbarkeit schier überzulaufen. Immer wieder stiegen mir plötzlich Tränen der Freude in die Augen. Ohne es genau benennen zu können, fühle ich mich tief in meinem Inneren verändert. Ich fühle mich aufgeladen, freudvoll, dankbar, gehalten und geliebt. Meine Haltung hat sich verändert, heute ist mir aufgefallen das meine Art zu gehen sich gewandelt hat, meine Schritte größer, fester, bestimmter sind.
Das Midwinter Retreat war eines der bereichernsten, wunderschönsten Erfahrungen in diesem Jahr. Ich durfte so wunderbare, schöne, strahlende und unglaubliche Frauen kennenlernen. Frauen die ich bereits kenne, liebe und zu meinen Freundinnen zählen, begegneten mir auf eine bisher unbekannte, vollkommen neue Weise. Meinen Freundinnen, mir selbst und all diesen vorher fremden Frauen, zeigte ich mich von unbekannten, neuen Seiten. Ich durfte mich öffnen und wurde aufgefangen, ich wurde getragen und aufgenommen, ich durfte mich fallen lassen und Teil werden von der Einheit und Schwesternschaft die uns alle verbindet, alle Frauen dieser Welt.

DANKE

Songtext: Field of Dream – In Gowan Ring

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