Regional konsumieren – ein Versuch

Mein Essverhalten resultiert nicht nur aus meinem Bedürfnis heraus mich besonders gesund zu ernähren, es dient auch dem Wohl unseres Planeten, unseres Klimas und all der Lebewesen die auf ihm leben. So ist es für mich eine Selbstverständlichkeit viele meiner Nahrungsmittel in Bioqualität zu kaufen, auf Fair Trade Siegel zu achten und wenig bis gar keine tierischen Produkte zu erwerben. Natürlich möchte ich meinen Körper nur mit der besten, lebendigsten und Schadstoff freisten Nahrung versorgen, zusätzlich wünsche ich mir jedoch das durch mein Konsumverhalten möglichst wenig Schaden entsteht. Dazu gehört die Vorstellung das durch den Bioanbau weniger Pestizide in die Umwelt gelangen, eine größere Artenvielfalt ermöglicht und erhalten wird, ein respektvoller Umgang mit unseren Ressourcen, die Vermeidung von Abfällen und Plastik sowie die faire Bezahlung von Arbeitern welche meine Nahrung sähen, pflegen und ernten.

Ein Punkt auf den ich immer wieder stoße ist die Sache mit der Regionalität. Auch im Biosupermarkt stehen mir meistens rund ums Jahr die verschiedensten Lebensmittel aus aller Welt zur Verfügung. Da wären Bananen aus Equador, Ananas aus Costa Rica, Gurken und Tomaten aus Spanien, Orangen aus Marokko, Kartoffeln aus Ägypten und Äpfel aus Neuseeland. Ich greife zu Amaranthgetreide aus Südamerika, Käse auf Frankreich, Wein aus Italien. Wie klein hält sich mein ökologischer Fußabdruck, wenn ich mich mit so vielen Lebensmitteln eindecken welche die halbe Welt umrundet haben um auf meinem Teller zu landen? Wie groß muss er sein Fußabdruck einer Tomate oder Gurke die in einem heißen Land gezüchtet wurde, gegossen mit kostbarem und raren Trinkwasser? Wie fühlt es sich an zu wissen, dass deutsche Bauern stellenweise gezwungen werden ihre Kartoffeln zu entsorgen da große Supermarktketten die günstige Ware aus Ägypten & Co vorziehen?

Wie sähe eine Welt aus voller Gesundheitsfanatiker die sich hauptsächlich von Südfrüchten ernähren, Kokoswasser trinken und ihr Essen mit Superfoods wie Gojibeeren aus Tibet, Maca Peru, Baobab aus Australien und Chiasamen aus Mexiko pimpen?

Nicht das mir danach ist in Extreme zu Verfallen, ich bin von jeder Illusion befreit das wir ein vollkommen gewaltfreies, unschädliches Konsumverhalten an den Tag legen können. Weder strebe ich momentan eine 100% Selbstversorgung aus dem eigenen Garten an, noch die Auswanderung in südliche Gefilde um mir meine Mangos reif vom Baum pflücken zu können. Solche Ausmaße im Hinterkopf denke ich gerne schmunzelnd an die Lektüre des Buches „Fast nackt: Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben„.

Was meinen Freund und mich jedoch interessiert: Wie wäre es eine Zeit lang nur von regionalen bzw. in Deutschland hergestellten Lebensmitteln zu leben? In den kommenden Wochen wollen für ein bis drei Monate den Versuch wagen. Gekauft wird nur noch was in Deutschland gewachsen, geerntet und verarbeitet wurde.

Was kann man da überhaupt noch essen? Wird das nicht eintönig? Meinen Vorschlag bei 2-3 Produkten die man unmöglich aus Deutschland beziehen kann für diese Zeit auf eine Fair Trade Variante zurückzugreifen wurde von meinem Freund mit den Worten „Wenn schon, denn schon!“ abgelehnt. Was ich daher besonders vermissen werde: Kaffee, Bananen und Kokosprodukte (Kokosöl, Mehl, Wasser etc.). Natürlich darf aufgebraucht werden was sich noch in den Vorratsschränken befindet.

Der Versuch wird sich jedoch auf die heimische Küche beschränken, für den Fall das wir auswärts Essen gehen oder eingeladen sind bleiben überregionale bzw. importierte Lebensmittel erlaubt.

In den nächsten Wochen wird es hier im Rahmen unseres Versuchs Berichte über Einkaufserlebnisse und Verköstigungsversuche geben. Ich bin sehr gespannt wie abwechslungsreich und vielfältig sich unser Speiseplan unter diesen Bedingungen gestalten läßt.

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