In riesigen Schritten nähere ich mich dem Ende der Schwangerschaft, ehrlich gesagt hatte ich schon gar nicht mehr damit gerechnet diesen Beitrag zu schreiben bevor es soweit ist. Mir kommt es tatsächlich so vor, als sei ich schon eine halbe Ewigkeit schwanger. So richtig vorstellen wie es sein wird wenn der Bauch wieder leer ist, kann ich mir noch nicht.

Viel Ruhe nach dem Sturm

Im Rückblick auf das zweite Trimester hatte ich von meiner Diagnose Schwangerschaftsdiabetes berichtet die mich ja ein paar Wochen einiges an Nerven gekostet hat. Es hat gedauert bis ich mich arrangiert habe und mit beiden Beinen fest auf meinem eigenen Standpunkt stand. Irgendwie hatte ich auch Pech mit der Arztwahl, doch als sich Alternativen auftaten lohnte sich ein Wechsel sowieso nicht mehr. Ganz persönlich bin ich von der Diagnose bis heute nicht überzeugt, einzig auffällig sind manchmal meine minimal erhöhten Nüchternwerte. Brot vertrage ich auch in der Vollkornvariante nur schlecht, aber generell habe ich nie einen BZ Wert gemessen der besorgniserregend hoch war. Dafür zeigte sich im Verlauf der Monate bei dem ein oder anderen mutigen Essens Experiment das Pizza, Kuchen, Torte, Eis, Schokolade, Datteln und andere Lebensmittel überwiegend überhaupt gar keinen auffälligen Effekt auf meinen Blutzuckerwert hatten. Manchmal schickte ich die Ergebnisse meiner Messungen zur Belustigung per SMS an meine Hebamme, die sich jedes Mal köstlich darüber amüsierte. Während ich im Geburtsvorbereitungskurs fast wöchentlich einer neuen Schwangeren zu dieser Diagnose gratulieren durfte (durch die mittlerweile so niedrig gesetzen Grenzwerte haben einfach viel mehr Frauen angeblich einen Gestationsdiabetes als vor wenigen Jahren oder in europäischen Nachbarländern die weniger streng sind), hörte ich eben auch von den Diabetologen bei denen diese Frauen weiterbehandelt wurden. Ärzte, die sehr entspannt sind, ihre Frauen beruhigen und ihnen sagen das sie sich keine Sorgen machen sollen, es sich nur um leichte Formen oder leichte Glukoseintoleranzen handle. Manche brauchten ihren Blutzucker gar nicht überprüfen, oder nur den Nüchternwert und ein Mal in der Woche einen Wert nach dem Essen und bekamen den Rat „nicht so viel Süßigkeiten zu essen“. Während mein behandelnder Diabetologe immer noch auf sechs Messungen am Tag bestand und das Einhalten einer strengen Diät. Warum ich auf Kuchen, Torte, Datteln, Pizza und Co nicht mit einem Anstieg des Blutzuckers reagiere vermochte er mir nicht zu beantworten und ging darüber hinweg. Immerhin entschied er sich dafür mich nach zwei Unterredungen nicht mehr davon überzeugen zu wollen, dass ich doch lieber Insulin spritzen sollte.
Neben alle dem entwickelt sich unsere Tochter sehr vorschriftsmäßig und ist zu keiner Zeit auffällig gewesen, im Gegenteil wurde sie oft als eher zierlich betitelt. Auch Fruchtwassermenge und andere Parameter die bei Gestationsdiabetikerinnen schon mal auffällig werden können, wichen niemals von der Norm ab. Was sich allerdings mit der Diagnose sehr veränderte war meine Figur und mein Gewicht. Durch die Ernährungsumstellung, der wochenlange komplette Verzicht auf Süßigkeiten und Zucker, dem hohen Anteil an Low Carb Kost und dem insgesamt für meine Vielfraß Verhältnisse wenigem Essen führten dazu das ich seit Beginn des dritten Trimesters kontinuierlich abnehme. Auch wenn mein Baby entwicklungsgerecht bereits über 3 Kilo wiegt, bringe ich selbst nicht mal mehr 5 Kilo Plus seit Beginn der Schwangerschaft auf die Waage. Da hilft auch nicht die extra Portion Sahne die ich oft an alles gebe, all die Doppelrahmstufen die ich kaufe und die absichtlich großen Portionen. Oft blicke ich ungläubig auf meine schmale Taille, die dünn gewordenen Beine und Arme und suche vergebens all die Speckröllchen am Rücken die ich vor wenigen Monaten noch mit mir herum getragen habe. Während ich um meine Stillreserven trauere ermuntern mich andere Schwangere, dass ich dafür nach der Geburt nicht mit überflüssigen Pfunden zu kämpfen hätte. So hat wohl mal wieder alles seine Vor- und Nachteile.
Nach der aufregenden ersten Zeit in der sich mein Leben nur noch um Nahrungsaufnahme und Zuckerwerte zu drehen schien, kehrte eine angenehme Ruhe ein. Mein Mann und ich machten noch ein letztes Mal Urlaub zu Zweit, wir fuhren über Pfingsten für ein paar Tage an den Jadebusen, im Anschluss feierte ich mein Blessingway und nutze das Ende des achten Monats um eine Woche später endlich das lang geplante Schwangerschaftsshooting mit unserem Freund Tobias von Kontrastbild Fotografie zu machen.