In der mittlerweile achtundzwanzigsten Schwangerschaftswoche lohnt sich ein Blick zurück über das zweite Trimester.
Ich kann kaum glauben das ich mich schon im letzten Drittel meiner Schwangerschaft befinde. Kürzlich dachte ich so bei mir: „Wow, nur noch drei Monate und dann haben wir ein Kind, so ein kleines Baby hier bei uns zu Hause.“ Immer noch ein ziemlich irrealer Gedanke. Der Nestbautrieb ist weitergegangen, das Kinderzimmer in dem gerade meine Tastenanschläge laut wiederhallen ist fast leer und wird morgen komplett ausgeräumt und frisch gestrichen. Kinderbett, Beistellbett, Wickelkommode und Dinge wie Tragetuch, Hochstuhl und Co sind bereits bei uns eingezogen. Wir halten es recht minimalistisch, denn eigentlich braucht so ein kleines Würmchen so gut wie nichts, außer natürlich viel Liebe und Zuwendung. Doch nun etwas genauer, wie ich die letzten Monate erlebt habe.

Schatten im zweiten Trimenon

Nachdem das erste Trimester von Krankheit und Schicksalsschlägen geprägt war, trat im zweiten etwas mehr Ruhe ein. Allerdings hatte ich gleich zu Beginn in der Nacht vor Silvester eine ersten Schmierblutung. Puh, was für ein riesiger Schreck! Spät Abends also ab ins Krankenhaus, hoffen das alles in Ordnung ist. Tatsächlich ging es der Bauchelfe prima und die Ärztin konnte absolut nicht feststellen woher die Blutung kam. Ab ins Bett, ein Päckchen hochdosiertes Magnesium und am nächsten Tag war der Spuk vorbei. Nach ein paar Wochen, ich hatte gerade die Angst vor weiteren Blutungen abgelegt, erneut eine Schmierblutung. Diese zog sich über ganze drei Tage, doch auch dieses Mal fand sich kein ersichtlicher Grund. Nocheinmal drei Tage die Couch hüten was insgesamt dazu führte, dass ich im zweiten Trimester sehr sorgsam und schonend mit mir umgegangen bin. Natürlich hatte ich immer wieder Sorge, es könnten erneut Blutungen auftreten, vielleicht weil ich mich zu viel bewege oder mich überanstrenge. Rückblickend habe ich mich dadurch vielleicht eher ein bisschen zu viel geschont und merkte irgendwann zunehmend Beschwerden hinsichtlich Kondition, Muskeln und Gelenken. Häufige Schulterverspannungen, Schmerzen im Ischias und Aua im Knie. Aber alles noch im Rahmen, nichts wirklich schwerwiegendes und einschränkendes.
Im Verlauf begann mein Schwangerschafts Pilates Kurs und der Aqua fit. Während erstes sehr sanft war, merkte ich zweiteres am folgenden Tag immer sehr deutlich. Ich begann vermehrt Spaziergänge in meinen Alltag einzubauen und war bemüht immer wieder zwischendurch einzelne Übungen für Schultern und Co zu praktizieren.

Geburtsvorbereitung

Auch wenn ich schon recht früh begonnen habe mich mit dem Thema Geburt und gebären auseinander zu setzen, befinde ich mich seit einigen Tagen schon in einer Art heißen Phase. Im zweiten Abschnitt meiner Schwangerschaft habe ich viele tolle Bücher gelesen die mir sehr geholfen haben meine Ängste hinsichtlich der bevorstehenden Geburt abzubauen. Neben dem Klassiker „Selbstbestimmte Geburt“ war es vor allem das Buch „Bountiful, Beautiful, Blissfull“ welches mich sehr inspiriert hat. Darüber hinaus habe ich mehrere Bücher zum Thema Hypnobirthing gelesen, da dies eine Methode ist mit der ich mich einige Wochen schon sehr aktiv auf die Entbindung vorbereitet habe. Dazu gehört das täglich hören bestimmter Trance- und Selbsthypnosestücke, die Übung ausgewählter Atemtechniken und das hören und sprechen von positiven Geburtsaffirmationen. Darüber hinaus lese ich positive Geburtsberichte, sehe mir spannende und tolle Videos von schönen, sanften und von schmerzfreien Geburten bei Youtube und Videos von Hypnobirthing-Müttern an. Mittlerweile nutze ich nichtmehr das klassische Hypnobirthing, bin aber weiterhin dabei mich mit Tiefenentspannung/Selbsthypnose auf die Geburt vorzubereiten.
Sowohl zum Thema Bücher die ich in der Schwangerschaft gelesen habe, als auch zum Thema Hypnobirthing/Selbsthypnose plane ich noch extra Blogbeiträge.
Unser Geburtsvorbereitungskurs bei meiner Hebamme startet erst kommenden Monat.

Tägliche Praxis

Zu Beginn des zweiten Trimesters habe ich noch regelmäßig jeden Tag vor meinem Schwangerschaftsaltar meditiert. Diese Praxis habe ich nicht aufrecht erhalten, da ich mit den Übungen im Rahmen der Hypnobirthingpraxis schon ausgelastet bin. Ich ziehe jedoch weiterhin regelmäßig eine Affirmationskarte und stelle sie auf den Altar, zünde wenn ich zu Hause bin eine Kerze dort an und versuche sowieso, jeden Tag ein bisschen bewusste Zeit und Kontaktaufnahme mit der Elfe in meinem Bauch zu pflegen. Natürlich gibt es Tage, an denen ich einfach den ganzen Tag auf Achse bin. Dann freue ich mich wenn ich Abends im Bett noch einmal fünf Minuten Zeit habe, die Spieluhr auf meinen Bauch lege und spüre wie es hüpft und hopst in meinem Bauch.
Die Kindsbewegungen faszinieren mich jeden Tag aufs Neue. Da ich ziemlich geübt darin bin, in mich hinein und meinen Köper zu spüren, habe ich die ersten zarten Bewegungen schon um die 14. Woche an Weihnachten 2017 wahrgenommen. Es ist so spannend die Entwicklung über all diese Wochen wahrzunehmen und zu ,merken wie sich die Bewegungen und die Qualität dessen was ich wahrnehme über diesen langen Zeitraum verändert haben. Mittlerweile bekomme ich schon so kräftige Tritte das ich manchmal erstaunt und laut Luft ausstoße oder einfach laut lachen muss. Vor ein paar Tagen habe ich das erste Mal ganz deutliche Bewegungen durch die Bauchdecke beobachtet, nicht nur das übliche Zucken wie bisher.

Getrübte Freude – Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes

Mein ganzes Leben lang schon habe ich einen sogenannten süßen Zahn, ein mit Grund dafür das Zucker und der Verzicht auf diesen bei mir immer wieder ein aktuelles Thema ist. In den letzten Wochen entwickelten sich meine Schwangerschaftsgelüste genau dahin, bitte Zucker und davon so viel wie möglich. Neben einer eh schon sehr kohlenhydratreichen Ernährungsweise mit viel Nudeln, Brötchen, Toast, Reis & Co, sowie absolut fehlender Motivation zum kochen entwickelte ich Heißhunger auf Eis, Schokolade, Kekse, Kuchen und anderes süßes Gebäck, Kakao und Ovomaltinegetränke, Limonaden, ach, dass ganze ungesunde Zeug eben. Vorbei die Wochen in denen ich Heißhunger auf Joghurt hatte oder Sahne in geschlagener wie flüssiger Form. Zucker musste es sein und davon reichlich.
Nun, ein Hoch auf meine Intuition und auf ein fürsorgliches, immer mit mir in Resonanz stehendes Universum. Bereits zwei Wochen vor unserem Frühjahrsurlaub bei meinen Schwiegereltern wurde mir klar: Das muss aufhören, dass muss anders werden. Ich begann mir neue und alte Dokumentationen über gesundes, ausgewogenes und zuckerfreies Essen anzugucken um mich selbst zu motivieren. Kurz darauf hätte ich am liebsten (wäre ich nicht schwanger) gleich eine mehrwöchige Kur aus frischen Säften gestartet und meine ganze Ernährung auf vegan und gesund umgestellt. Diese Pläne schob ich auf „irgendwann nach der Stillzeit“ beiseite und fasste den Entschluss: Nach der Woche bei der Familie mit mehreren Geburtstagen und täglichen Kaffeekränzchen mit Kuchen wird auf Zucker verzichtet und zwar so richtig und ganz.
Wie der „Zufall“ – ich glaube ja nicht an Zufälle – es wollte, begann in am ersten Tag des Zuckerverzichts damit für drei Tage in Folge den Blutzuckerwert Nüchtern und nach dem Frühstück zu messen. Dies war eine Absprache die ich bereits einen Monat zuvor mit meiner Hebamme besprochen hatte, statt des üblichen Glucosetoleranztest beim Frauenarzt. Mit Schrecken stellte ich nach drei Tagen fest, dass meine Nüchternwerte zwar nicht super hoch, aber auf jeden Fall über dem mittlerweile angesetzten Maximalwert von 90 mg/dl lagen. Ungläubig begann ich mich über Gestationsdiabetes zu informieren und verbrachte einen ganzen Tag damit abwechselnd heulend auf der Couch oder heulend im Bett zu liegen. Ich war fertig, frustriert, wütend, verzweifelt und unendlich traurig. Ich fühlte mich schuldig meinem Baby gegenüber, bangte ob es ihm auch wirklich gut geht und konnte kaum einen positiven Gedanken fassen. Wenn ich in solch ein Loch falle, dann geht es mir erst einmal darum alles herauszulassen, alles zuzulassen, nichts „wegmachen“ zu wollen sondern anzunehmen was ist. Nach dieser klärenden emotionalen Reinigung begann ich schon gegen Abend wieder etwas aufzuatmen. Am kommenden Tag war ich Feuer und Flamme alles in meiner Macht stehende zu tun um gute Blutzuckerwerte zu haben. Ich sprach mit meiner Frauenarztpraxis und meiner Hebamme, machte einen Termin zum Glucosetoleranztest, kaufte mir in der Apotheke eine Großpackung Teststäbchen und Lanzetten für mein Gerät und legte ein Ernährungs- und Blutzuckertagebuch an.
Ich strich neben Zucker in Form von Süßigkeiten ebenso alle kurzkettigen Kohlenhydrate aus meiner Ernährung, ersetzte sie durch Vollkornprodukte, beschränkte mich auf drei Mahlzeiten am Tag mit maximal ein bis zwei Snacks dazwischen, bewegte mich nach jeder Mahlzeit ein bisschen, setzte das Abendessen für spätestens 18Uhr an und verzichtete bei diesem auf stark kohlenhydrathaltige Lebensmittel.
Plötzlich sah ich mich wieder freudig, motiviert und lustvoll in der Küche stehen, jeden Tag frisch kochen, mich durch Low Carb Rezepte wühlen und beschwingt einkaufen gehen. Die Zuckerwerte die ich daraufhin über Tag maß bewegten sich alle in einem gesunderen Rahmen. Nur der blöde Nüchternwert will einfach nicht immer so wie ich. Er ist nun zwar seit beginn der Umstellung zumindest durchgehend unter 100, aber gerne mal über 90 (wäre ich doch ein paar Jahre früher schwanger gewesen, als der Richtwert für den Nüchternzucker noch bei 100 lag…)
Nach einem Termin bei der Frauenärztin bei dem im Ultraschall festgestellt wurde das es der Bauchelfe wunderbar geht und sie auch nicht zu groß ist für ihr Alter, gab es eine Überweisung zum Diabetlogen. Es folgte eine erste Ernährungsberatung in einer diabetologischen Praxis und nun schauen wir weiter wie es sich entwickelt. Ich führe also gewissenhaft Tagebuch und versuche den Blutzucker mit Hilfe von Ernährung und Bewegung in einem gesunden Rahmen zu halten um kein Insulin spritzen zu müssen.

Positiv bleiben

Natürlich geht solch eine Diagnose auch an mir nicht spurlos vorbei und ich hatte einige schlechte Tage an denen ich mich mit Gefühlen von Enttäuschung, Frust, Wut und Ohnmacht konfrontiert sah. Doch nachdem ich dem immer wieder Raum gegeben habe, schaffte ich es bald meine Sorgen „nach oben abzugeben“ und mich wieder ans Universum und die höhere Führung anzubinden. Dies kann ich meist nicht sofort, denn erst will all das negative und das Gefühl der Ungerechtigkeit seinen Platz einnehmen. Wenn sich die stürmische See etwas gelegt hat, kann ich mich auf das besinnen was mir immer Kraft gibt und wieder zu meinem tiefen Vertrauen zurückfinden, dass gut für mich gesorgt ist und alles so kommt wie es kommen soll.

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