Sugarholic

Hallo, mein Name ist Karmi und ich bin zuckersüchtig.

So oder so ähnlich könnte meine Vorstellung auf meinem Blog auch klingen, denn ich habe ein Problem. Mein Problem nennt sich Zucker, versteckt sich jedoch auch gerne unter unzähligen anderen Namen, zum Beispiel als Saccharose, Dextrose, Raffinose, Glukose, Fruktosesirup, Karamalsirup, Laktose, Maltose, Malzextrakt, Süßmolkenpulver, Dextrin, Maltodextrin, Gerstenmalz usw.

Ich habe, wie man so gerne sagt, einen süßen Zahn. Solange ich denken kann liebe ich Süßes. Egal ob Schokolade, Gummibärchen, Kekse oder Kuchen. Je süßer desto besser, am liebsten ständig und viel. In meinem Elternhaus stand immer ein Korb mit Süßigkeiten auf dem Schrank in der Küche. Jeden Tag, zumeist Abends, holte ich den Korb herunter und begann genüsslich in mich herein zu stopfen was zu finden war. Ich liebte es wenn es als Zwischenmahlzeit mal einen Teller süßem Grieß mit Butter gab, oder Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne, zum Abendessen Blaubeerpfannekuchen mit ganz viel Zucker. Kartoffelreibekuchen wurden in Apfelmus ertränkt, Nachspeisen durften nicht fehlen und nach dem aufwachen gab es bis zum Tag eines Auszuges jeden Morgen eine Tasse heißen Kakao.

Schön und gut, aber das beudetet ja noch lange nicht das man nach Zucker süchtig ist, oder doch? Immer wieder weisen Studien darauf hin das Zucker im Körper ähnliche Wirkung zeigt wie Drogen. In einer Studie mit Ratten hat man herausgefunden das Zucker eine ganz ähnliche Wirkung hat wie Kokain. Die Versuchstiere zeigten ein starkes Verlangen nach der Substanz und sogar Entzugserscheinungen.
Mir persönlich ist es schon als Jugendliche aufgefallen das es sich bei der ganzen Zuckersache um eine Sucht handeln muss, ich konnte es nämlich einfach nicht bleiben lassen! Es hat mich Jahre gekostet, bis ich die Willenskraft hatte zumindest einmal für eine Woche komplett auf Süßigkeiten zu verzichten. Aber der Rückfall ist vorprogrammiert… Einige Merkmale an denen ich meine eigene Sucht erkenne:
Craving: Wenn ich versuche auf Zucker und Süßigkeiten zu verzichten erfasst mich mindestens für 3 bis 4 Tage immer wieder ein extrem starkes Verlangen danach. Stellenweise kann ich über einige Zeit hinweg an nichts anderes denken, ich merke wie ich unruhig herumtiger und denke „oh man, ich will unbedingt xy essen“. Manchmal durchsuche ich dann alle Schränke und Schubladen ob ich nicht doch irgendwo etwas finde. Ich bin schon Sonntags zum Kiosk gelaufen um mir eine Tüte Süßigkeiten zu kaufen, oder ich esse Nutella aus dem Glas, schmelze mir Kuvertüre ein die ich dann löffel oder esse Dekostreusel für Kekse. Wenn ich es schaffe 4 Tage bis eine Woche „clean“ zu bleiben, läßt das Verlangen enorm nach. Mir fällt es dann plötzlich sehr leicht auf Süßspeisen zu verzichten, Verlangen kommt nur hin und wieder auf.
Kontrollverlust: Ich kann nicht kontrolliert zuckerhaltiges essen. Klingt erstmal komisch, wird im Vergleich zu Nikotin oder Alkohol jedoch vielleicht deutlicher. Die meisten Menschen können nachdem sie das rauchen aufgegeben haben nicht „ab und zu“ mal eine Zigarette rauchen. Oftmals wird aus der einen Zigarette auf der Party eine halbe Schachtel, in den Tagen darauf raucht man hier und da mal eine und schon bald ist man wieder bei seinem früheren Konsum gelandet. Auch Alkoholiker schaffen es nicht nur ein Glas zu trinken, weswegen der Grundsatz der Anonymen Alkoholiker lautet „lass das erste Glas stehen“. Dieses Verhalten habe ich hinsichtlich Zucker auch. Nach Tagen oder Wochen der Abstinenz ist ein bisschen Zucker meistens der Anfang vom Ende. Aus „dem einen Stück Schokolade“ das man sich nach so langer Zeit ja mal gönnen kann wird hier und da ein weiteres und bald bin ich ganz in meinen alten Verhaltensmuster drin.
Oftmals erwische ich mich dabei, wie ich mit mir verhandle: „Okay, eigentlich wolltest du ja nichts Süßes essen, aber komm, alle essen grad ein Stück Kuchen, ein einziges kannst du doch auch essen.“ Ist dieses erstmal angebissen scheint der Damm gebrochen, meine Lust auf Süßes ist nicht gestillt, sondern weitet sich aus. An Tagen an denen ich im Verlauf etwas Süßes esse oder trinke, fällt es mir viel schwerer den restlichen Tag abstinent zu bleiben als wenn ich gleich darauf verzichtet hätte. Oftmals erlebe ich einen regelrechten Kontrollverlust, aus einem Keks werden dann 20, aus drei Gummibärchen eine ganze Tüte. Auffällig ist auch, dass mir der erste Bissen nach der Abstinenz oft gar nicht schmeckt „bäh ist das süß“. Die Gewöhnung an den Geschmack erfolgt jedoch sehr schnell.
Entzugserscheinungen: Ich vermag nicht zu sagen ob es tatsächlich vom Zuckerentzug kommt oder vielleicht daher rührt, dass ich dadurch angespannter bin, aber ich erlebe in den ersten Tagen oft regelrechte Kopfschmerzattacken. Manchmal verschwinden die Kopfschmerzen tatsächlich oder werden schwächer, wenn ich dann doch etwas zuckerhaltiges esse/trinke.
Stimmungsveränderung: Zucker landet vorzugsweise in meinem Magen wenn ich müde bin, mich langweile, ich schlechte Laune habe, mit mir unzufrieden oder gestresst bin. Zumindest sind dies Situationen in denen ich vermehrt zu Zucker greife. Natürlich berauscht Zucker mich nicht merklich wie es Alkohol, Kokain oder Heroin täte, jedoch spürt man die direkte Wirkung einer Zigarette auch nicht in diesem Ausmaß.

Nicht erst durch die Dokumentation „die große Zuckerlüge„, welche letztlich auf ARTE ausgestrahlt wurde, hinterfragte ich einmal mehr meinen Zuckerkonsum. Zucker ist ungesund, natürlich gehört er zum Leben dazu, aber die Mengen die wir dank unserer heutigen Ernährungsgewohnheiten zu uns nehmen sind extrem schädlich. Zucker soll unter anderem Herzkreislauferkrankungen, Alzheimer und Krebs verursachen. Zuckerkonsum schlägt auf unsere Stimmung und – oh Schreck – macht auch noch Falten, Pickel und natürlich dick.
Mir persönlich geht es vor allem um den Aspekt der Selbstliebe. Ich möchte gut zu mir sein und gut mit mir umgehen. Dazu gehört für mich auch eine ausgewogene Ernährung die mir und meinem Körper gut tun.
Leider ist Zucker in unglaublichen vielen Lebensmitteln und natürlich Getränken versteckt. Mein erster Schritt ist es vor allem bewußt auf Süßigkeiten zu verzichten. Ein zuckerfreies Leben erscheint mir noch regelrecht utopisch. Da ich jedoch sehr viel frisch koche habe ich eine ganz gute Kontrolle bzgl. des versteckten Zuckers.

Interessante Blogs zum lesen:
Katharina kocht
Ein Jahr ohne Zucker
Zucker frei
I Quit Sugar (englisch)

Photocredit: HP Lyrikz, Spoonful of SugarMind Blowing Sugar Consumption

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