SunYoga Dortmund

sunyoga
Wer mich kennt der weiß, ich bin ein Hitzefanatiker. Ich liebe den Sommer, die Sonne, heiße Temperaturen und Schweiß. Im Winter könnte ich täglich in die Sauna gehen und mir in langen Aufgüssen die heiße Luft um die Ohren peitschen lassen. Während andere bei 20 Grad + anfangen zu stöhnen beginne ich erst langsam warm zu werden und freue mich auf mehr.
Was ist für einen Yogafan wie mich also naheliegender als der Wunsch nach Yogaunterricht in einem heißen Raum? Als ich vor vielen Jahren erstmals vom Konzept des Bikram Yoga hörte spitze ich die Ohren, allerdings ergab sich nie die Möglichkeit eine entsprechende Yogaschule zu besuchen.
Nachdem ich vom schönen Essen ins vergleichsweise kleinstädtige Witten gezogen war, eröffnete nicht unweit in der Nachbarstadt Dortmund das Studio SunYoga. Bei 40°C Raumtemperatur wird hier auf 80m2 Yoga in einer bestimmtem Abfolge von 26 Asanas geübt. Nach einer einleitenden Atemübung gibt es eine Reihe von Balance-Asanas, eine Einheit weiterer stehender Positionen und in der zweiten Hälfte mattennahe Übungen im sitzen und liegen.
Schon bei Eröffnung des Studios nahm ich mir fest vor dieses schnellstmöglich zu testen. Ich erinnere mich gut das dies einer der Punkte auf meiner „100 things to do“ Liste des Jahres 2012 war. Wie das Leben so spielt und Dank einer guten Mischung aus Ausreden und Faulheit konnte ich diesen Punkt 2012 nicht abhaken und auch in den Folgejahren setzte ich keinen Fuß in das Dortmunder Studio.

Im letzten Jahr – mittlerweile hatte ich mich wohnlich einige Kilometer von Dortmund entfernt – berichtete mir ein Arbeitskollege aus Dortmund das er eine Stunde bei SunYoga mitgemacht hätte. Daraus folgten kleinere Gespräche über das Studio, mein konstanter Wunsch endlich einmal meinen inneren Schweinehund zu überwinden und schlussendlich vor einigen Wochen die Idee, dass ich doch einfach mal mitgehen könnte wenn mein Kollege eine Stunde besucht. Tja, die Hemmschwelle ist doch immer ein bisschen niedriger wenn man nicht alleine ist. Mein Pflichtgefühl zu meiner Verabredung und meinem Wort zu stehen führte mich also in der vergangenen Woche ans Ziel.

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Ich besuchte meine erste Stunde bei Britta die mich sehr herzlich in Empfang nahm. Wie auf der Homepage des Studios angeraten erschien ich eine halbe Stunde vor Beginn der Stunde was mich erstmal stutzen ließ. Wozu um alles in der Welt soll man denn 30 Minuten eher da sein? Gibt es eine Führung? Muss ich vorher mehrere Bögen ausfüllen? Tatsächlich erwartete mich eine kleine Einweisung in die Gepflogenheiten des Studios und der SunYoga Stunden, eine Erklärung der Räumlichkeiten, die Bitte um Erläuterung eventueller Einschränkungen und körperlicher Beschwerden sowie um das Ausfüllen eines kurzen Formulars.

Das Studio gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Etwas versteckt über einen kleinen Hinterhof mit Parkmöglichkeiten (entstresst die Lage in einer parkunfreundlichen Großstadt wirklich sehr) führt ein schmaler Gang in einen geräumigen Aufenthaltsbereich. Es werden Yogamatten, Trinkflaschen, Kokoswasser, Taschen und andere nette Kleinigkeiten zum Verkauf angeboten. Vor dem Bereich an dem man sich seiner Schuhe entledigt finden sich mehrere Toiletten, die Umkleidekabinen sind groß, hell und freundlich gestaltet und schliessen an einen sehr sauberen und modernen Duschbereich an. Ein Hahn mit energetisiertem Trinkwasser steht für alle Studiobesucher kostenlos zur Verfügung. Eine Holztreppe führt in den Yogaraum nach oben.

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Britta erklärt mir das viele Teilnehmer gerne 10 oder 15 Minuten vor Beginn der Stunde den Raum nutzen um sich schon einmal einzustimmen und den Körper an die Hitze zu gewöhnen. Ich werde darum gebeten mich während der Stunde ruhig zu verhalten und wenn möglich den Raum nicht zu verlassen, sondern mich einfach entspannt auf meine Matte setzen oder legen soll wenn mir schwindelig oder unwohl wird – zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht wie oft ich davon Gebrauch werde machen müssen.
Mutig erklimme ich die Stufen nach oben und werfe einen Blick in den hellen Übungsraum mit dem roten Boden und den zwei verspiegelten Wänden. Es ist heiß, richtig heiß! Ich sehe zwei mobile Heizöfen in den Ecken des Raumes stehen, alle Fenster sind verschlossen und die Deckenventilatoren stehen still. Als ich mich hinlege bemerke ich, dass die letzten 20-30cm über dem Boden angenehm kühl wirken im Vergleich zu „oben“.
Ich lege ein Tuch über meine Matte und entspanne mich in Savasana während nach und nach alle Teilnehmer eintrudeln und sich einen Platz suchen. Britta betritt den Raum und nimmt Mittig ihren Platz ein. Von dort aus gibt sie die Übungen an. Wir beginnen mit einer Atemübungen und den darauf folgenden Balancepositionen. Jedes Set wird zwei Mal wiederholt. Mir ist heiß, und mit heiß meine ich dieses Mal so richtig, richtig, richtig heißt.  Mir rinnt der Schweiß aus allen Poren, ich finde es stickig, mein Herz rast und schlägt mir bis zum Hals. Immer wieder wird mir schlecht und schwindelig. Ehrlich gesagt drehen sich meine Gedanken die ganze Zeit nur um das Wort „Hölle“ und das ich es nicht aushalte in diesem Raum zu sein. Wie bitte? Ich? Ich dachte doch das ist genau was ich wollte! In meinem Kopf ermahne ich mich immer wieder „setze bloß nie wieder einen Fuß in dieses Studio! Mach das nie, nie, nie wieder!“. Ich kann es kaum ertragen, denke nur noch an eiskalte Duschen, kühlen Wind, frische Luft. Immer wieder muss ich die Asanas abbrechen oder komplett aussetzen. Rückblickend verbringe ich ungefähr die Hälfte der 90 Minuten auf meiner Matte liegend und um Beherrschung ringend.
Ich schaffe es nicht mich an die offiziellen Wasserpausen zu halten, trinke immer wieder zwischendrin und tröste mich mit dem Gedanken das auch andere Teilnehmer immer wieder auf ihren Matten Rückzug suchen. Nachdem alle stehenden Asanas durchgeführt wurden öffnet Britta vor einige Momente die Fenster und aktiviert die Deckenventilatoren. Ich glaube noch niemals so froh darüber gewesen zu sein, frischen Wind auf meiner Haut zu spüren. Mittlerweile bin ich komplett durchnäßt, mein Tuch ist zum auswringen nass, meine Matte voller Schweiß. Jede Bewegung macht quietschende Geräusche. Ich fühle mich schlapp und schwindelig, jeder Versuch mich wieder eine Asana zu widmen führt unweigerlich zu diesem Gefühl als hätte ich viel zu heiß gebadet. Als die Stunde zu Ende ist mache ich innerlich drei Kreuze und schleppe mich in die Umkleide zurück.

Dort höre ich von den anderen Frauen viele ermutigende Worte. Ich soll auf jeden Fall noch einmal wiederkommen, die erste Stunde sei immer besonders hart. Außerdem sei es sowieso ungewöhnlich heißt und anstrengend gewesen sein, da waren sich alle einig. Auf dem Weg nach draußen erkundigt sich Britta nach meinem Befinden und wie es mir ergangen ist. Sie berichtet ebenfalls von erschwerten Bedingungen da die Luftfeuchtigkeit ungewöhnlich hoch gewesen sein. Ähnliche Worte von meinem Kollegen auf der Fahrt zurück.

Zu Hause kämpfe ich mit mir, will ich dem ganzen noch eine Chance geben? Versuch ich es nochmal? Ich werde mich so über mich selbst ärgern, wenn ich erneut dort stehe und es nicht besser ist… Trotzdem beschließe ich zwei Tage später es auf einen neuen Versuch ankommen zu lassen. Dieses Mal leitet Rosa die Stunde, auch sie begrüßt mich sehr freundlich und lauscht meinen skeptischen Worten zur letzten Stunde.
Fragt mich nicht in den darauf folgenden 90 Minuten anders gewesen ist. War es weniger heiß im Raum? Die Luftfeuchtigkeit niedriger? Meine Kreislauf besser? Woran auch immer es lag, zwischen diesen zwei Unterrichtsstunden lag ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich halte die 90 Minuten relativ problemlos durch, kann alle Asanas mitmachen und genieße dieses Mal die Hitze im Raum richtig. Genau so hatte ich es mir vorgestellt, warme Luft die meinen Körper umschwirrt, Schweiß der mir bei allen Übungen von Stirn, Nase und Kinn tropft. Trotz der Hitze kann ich bis an meine Grenzen in die Asanas eintauchen, spüre meine Muskeln zittern und wanke immer wieder belustigt hin und her während ich in den Balance-Positionen versuche das Gleichgewicht zu halten. Ich merke wie die Hitze meinen Körper belebt und die Muskeln flexibler werden. Am Ende der Stunde fühle ich mich vollkommen entspannt, entstresst und gereinigt. „Wow“ denke ich, „das hat echt Spaß gemacht“. Diesmal kehre ich zufrieden in die Umkleide zurück. Auch dieses Mal erkundigt man sich im Anschluss gleich nach meinen Erfahrungen und meinem Befinden.

Fazit: Ich bin sehr froh mich entschieden zu haben SunYoga noch eine Chance zu geben. Sollte es jemandem wie mir gehen kann ich nur empfehlen es noch einmal zu versuchen und nicht aufzugeben. Manchmal hat man auch einfach einen schlechten Tag und der Körper braucht eine gewisse Zeit um sich an diese ungewöhnlichen äußeren Bedingungen zu gewöhnen. Das SunYoga Studio ist ein wirklich schöner und ansprechend gestalteter Ort mit sehr netten Yogalehrern und einer familiären Atmosphäre. Die anderen Kursteilnehmer waren sehr freundlich zugewandt und ich bin sehr dankbar für ihre Ermutigungen.

Übrigens bietet das SunYoga Team nicht nur Yoga bei 40°C an, sondern auch Vinyasa- und Hatha-Yoga Klassen bei 25°C, sowieso Ana Forrest Yoga und viele verschiedene Workshops. Für Neulinge gibt es ein Starterangebot bei dem man für einmalig 20€ 10 Tage lang beliebig viele Stunden besuchen kann. Besucher die nur eine kurze Zeit in Dortmund sind können für 20€ innerhalb von 7 Tagen zwei Kurse besuchen.

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