Zukunftsblicke – kleiner Tarot Guide

tarot
Meine erste Begegnung mit dem Tarot liegt schon einige Jahre zurück. Mein Interesse für divinatorische Systeme entbrannte in früher Jugend und führte zu Experimenten mit verschiedensten Systemen. Ich pendelte, legte mir Tarot- oder andere Orakelkarten, warf Runen, beschäftigte mich mit dem Ogham Alphabet und besorgte mir sogar eine Kristallkugel. Eine Freundin versuchte mir das Kartenlegen mit einem Skatdeck beizubringen und ich lernte das es neben diesem und dem klassischem Tarotdeck auch noch die Lenormand Karten gibt. Die Arbeit mit dem Tarot sprach mich sehr an, ich legte ab und zu für mich selbst die Karten oder ließ sie mir von anderen legen. Ich legte auch für Freunde, Verwandte und Bekannte. Dabei war mir immer wichtig nicht vollkommen in der Welt der Divination zu versinken. Hier und dort eine Tageskarte zu ziehen, bei einer schwierigen Situation oder vor einer Entscheidung die Karten um Rat zu fragen finde ich bereichernd. Sich vom Tarot abhängig zu machen ist jedoch eine sehr ungesunde Angelegenheit. Ich durfte schon Zeuge von regelrechter Tarotsucht werden. Menschen die nichts mehr tun oder entscheiden wollen ohne vorher die Karten zu befragen, am liebsten jeden Tag und deren halbes Leben nur noch darum dreht was ihnen die Karten mitteilen wollen: Da läuft etwas schief!
Ich denke außerdem das die Karten uns nicht den unumstößlichen Zukunftsverlauf zeigen, sondern sie weisen darauf hin in welche Richtung wir uns bewegen von unserem jetzigen Standpunkt aus gesehen, mit den Einflüssen die uns umgeben und dem Verhalten und den Gedanken die wir momentan haben.
Darüber hinaus ist das Tarot eine wunderbare Spielerei für unser inneres Kind, mir macht es immer großen Spaß mit den farbigen Karten zu hantieren und mich in die einzelnen Bilder fallen zu lassen. Für alle die Lust haben sich näher mit dem Tarot zu beschäftigen, findet sich hier eine kleine Einführung in die Praxis.

tarot5
First of all – das passende Deck
Tarotdecks finden sich buchstäblich wie Sand am Meer und jedes Jahr scheinen neuen hinzu zu kommen. Im Laufe der letzten Jahre habe auch ich einige Decks in den Händen gehalten und nach dem richtigen für mich gesucht. Mein erstes Deck bestand aus den sehr schön gestalteten runden Karten des „Daughters of the Moon„. Auch wenn ich die Karten mochte und ihre Form sehr ansprechend fand war mir das Deck auf Dauer zu feministisch ausgerichtet. Viele Jahre legte ich überwiegen mit dem keltischen Drachentarot (siehe Foto links im Bild). Einige Jahre später kam das Druidcraft Tarot hinzu (auf Foto rechts im Bild). Die Karten sind deutlicher größer als bei den meisten geläufigen Decks, für mich ein Minuspunkt da ich die Handhabung nicht so angenehm finde wie bei kleineren Karten. Letztes Jahr zog dann mein The Wild Unknown Tarotdeck bei mir (mittig sowie auf allen anderen Fotos). Eine Übersicht über viele – jedoch bei weitem nicht alle – Decks findest du hier. Ich finde es wichtig das wir mit einem Deck arbeiten das uns anspricht und berührt. Es hilft uns bei der Deutung, denn im Endeffekt geht es nicht um das sture auswendig lernen der Bedeutung jeder einzelnen Karte, sondern darum auch die feinen Töne zwischen den Zeilen im Kartenbild zu lesen. Mit der Zeit und Übung beginnen die Karten mit uns zu sprechen und lassen uns wissen was sie in der jeweiligen Legung zu bedeuten haben.
Alle weiterführenden Tipps und Anleitungen beziehen sich auf ein klassischen Tarotset bestehend aus 78 Karten – 22 großen Arkana und 56 kleinen Arkana (Arakan vom lateinischen Wort arcanum = „Geheimnis“).

Fragestellung
Bei der Fragestellung arbeite ich am liebsten mit den folgenden zwei Herangehensweisen. Zum einen besteht die Möglichkeit das Tarot hinsichtlich einer ganz bestimmten Situation, einer Entscheidung oder eines Themas zu befragen. Dabei sollten „Ja/Nein“ Fragen vermieden werden da die Antworten des Tarot weitaus komplexer sind. So könnte eine Fragestellung lauten „in welche Richtung soll ich mich beruflich weiter orientieren?“ oder „Wie wird sich mein Liebesleben in den nächsten Wochen/Monaten entwickeln?“ Es ist auch möglich beim Legen der Karten intensiv an einen bestimmten Lebensbereich oder eine Person zu denken um welche sich die Frage dreht.
Am liebsten arbeite ich jedoch mit eher unspezifischen Legungen. So gibt es die Möglichkeit die Karten einfach um Rat zu fragen was gerade wichtig für mich ist, welche Botschaft sie für mich haben. Morgens nach dem aufstehen eine Tageskarte zu ziehen kann ein Licht auf die Tendenz des Tages werfen oder eine wichtige Botschaft für mich bereit halten. Auch ist es möglich eine Monatskarte zu ziehen, oder ein ausführlicheres Legesystem zu wählen um für eine Woche oder einen Monat einen Einblick zu bekommen. In den zwölf Rauhnächten ziehe ich gerne jeden Abend für einen Monat des kommenden Jahres eine Karte. Hierbei geht es also nicht um eine Frage zu einem konkreten Lebensbereich oder einer speziellen Thematik.

Das richtige Setting
Es ist hilfreich zu seinen Karten im Laufe der Zeit eine Bindung aufzubauen, dazu gehört auch sie mit entsprechendem Respekt zu behandeln. Anstatt sie im ihrer lieblosen Verpackung zu belassen können wir sie zum Beispiel in einer eigens dafür vorgesehenen Holzkiste aufbewahren oder sie in einen schönen Stoff einschlagen. Manche benutzen Seide um ihre Karten vor negativen Einflüssen und Energien zu schützen. Wir können sie auf unserem Altar oder an einem schönen Platz im Regal aufbewahren. Das innere Kind freut sich wenn wir aus dem Kartenlegen ein kleines Ritual machen. Natürlich kann man jederzeit überall spontan ein Reading machen, aber ich finde es netter wenn man den Ort etwas vorbereitet. Den Untergrund reinigen, vielleicht ein paar Kerzen aufstellen, Kristalle hinlegen oder ein schönes Tuch als Unterlage ausbreiten. Wenn du möchtest könntest du auch ein Räucherstäbchen oder etwas harziges Räucherwerk entzünden.
Die Fragestellung sollte klar sein, es ist hilfreich sich in einem entspannten, leicht meditativen Zustand zu versetzen. Dazu kann es genügen sich ganz bewußt hinzusetzen, im Schneidersitz oder mit beiden Füßen auf dem Boden, den Rücken gerade. Nimm ein paar tiefe Atemzüge, stell dir dabei vor allen Stress und Probleme als schwarzen Rauch aus zu atmen während du Entspannung und Gelassenheit einatmest. Dann versuche dich ungefähr fünf Minuten lang auf deine Atmung zu konzentrieren. Bemerke ohne zu bewerten das du ein und ausatmest. Wenn Gedanken kommen halte nicht an ihnen fest sondern lass sie ziehen. Sobald du das Gefühl hast innerlich ruhiger geworden zu sein – vielleicht bemerkst du auch eine etwas veränderte Wahrnehmung deiner Umgebung – bitte die Karten innerlich oder laut um ihre Hilfe. Während du das Kartenset in die Hand nimmst, es hälst und die Karten mischst denke die ganze Zeit an deine Frage oder Intention.

Misch-Variationen
Wenn du das erste Mal mit dem Tarot arbeitest, darfst du herum experimentieren welche Art und Weise des Kartenlegens dir am meisten zusagt. Schon beim mischen fängt es an: Während einige den Stapel in den Händen mischen bevorzugen es andere sie Karten auf einer glatten Oberfläche zu verteilen und zusammen zu mischen. Viele mischen ihren Kartenstapel so lange bis sie das Gefühl haben das es reicht, andere mischen genau drei, sechs oder neun Mal.
Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten weiter zu machen, zwei Varianten sind:

tarot4

  1. Lege den Stapel vor dir auf den Tisch und hebe nach rechts mit deiner linken Hand von diesem zwei weitere Stapel ab. Nun liegen Stapel vor dir. Nimm nun den ersten Stapel und lege ihn auf den zweiten, den so entstandenen Stapel zuletzt auf den dritten. Von diesem Stapel hebst du jetzt die benötigten Karten der Reihe nach von oben ab.
  1. Es werden keine weiteren Stapel abgehoben, du breitest die Karten nach dem mischen fächerartig vor dir aus, natürlich mit den Bildern nach unten. Nun fahre in 2-3 cm Höhe mit der linken Hand über die Karten – die Augen können dazu geschlossen werden – und ziehe jeweils die Karte aus dem Deck die sich richtig anfühlt.Die Karten werden auf die je nach Legesystem entsprechenden Positionen gelegt. Sie können entweder direkt aufgedeckt ausgelegt werden oder werden erst verdeckt gelegt und dann schrittweise nach dem Deuten der vorherigen Karte umgedreht.

Legesysteme
Wer sich durch einige Exemplare der Tarotliteratur blättert oder einmal im Internet herum schaut, dem fällt auf wie viele unterschiedliche Legemethoden es mittlerweile gibt. Tatsächlich steht dir neben den dort zu findenden Methoden sogar offen dein eigens System zu entwickeln, in dem du entscheidest welche Karte für was genau stehen soll. Es empfiehlt sich jedoch vorher etwas Praxiserfahrung zu sammeln.
Der Einfachheit halber stelle ich nur zwei Legesysteme vor mit denen ich persönlich am häufigsten arbeite.

3 Karten – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Dieses Legesystem ist sehr simpel und aussagekräftig zugleich. Ausgelegt werden nur drei Karten. Die Karte auf Position 1 steht für die nähere Vergangenheit, Position 2 beschreibt die Gegenwart und die Karte auf Position 3 wirft einen Blick auf unsere nähere Zukunft. Im Bezug auf eine konkrete Fragestellung könnte Karte 1 mir also anzeigen wie ich in der Vergangenheit mit der Thematik umgegangen bin oder was mich hinsichtlich des Themas beeinflusst hat, was ich erlebt habe usw. Karte 2 zeigt mir meine momentane Situation, wie ich mich fühle, was um mich herum gerade passiert oder jetzt gerade wichtig für mich ist und Karte 3 den Ausgang der Situation.

tarot1

Diese Variante des Kartenlegens ist besonders geeignet wenn du es gerade eilig hast, dir nur einen kurzen Überblick über etwas verschaffen willst oder generell lieber eine kleine unspezifische Bestandsaufnahme haben möchtest.

Kleines keltisches Kreuz
Dieses Legesystem ist eines der bekanntesten und wir gerne gelegt. Die 10 Positionen der Karten stehen in meinen Legungen jeweils für die unten aufgeführten Aspekte, es gibt jedoch auch andere Auslegungen.

1. steht für die momentane Ausgangssituation
2. stellt entgegend wirkende Kräfte oder weitere Einflüsse dar
3. diese Karte zeigt die Vergangenheit sowie vergangene Ereignisse welche die Frage beeinflussen
4. die mögliche nahe Zukunft
5. verdrängte/unbewusste Einflüsse und Aspekte der Situation
6. Ziele und Wünsche des Fragestellers
7. steht für den Fragesteller selbst
8. zeigt den Einfluß und die Meinung unserer Umwelt/Freunde/Familie
9. Ängste und Hoffnungen des Fragestellers
10. Das Ergebnis der Situation

tarot6

Die Variante des keltischen Kreuzes ist deutlich ausführlich als das 3 Karten System. Du solltest also etwas Zeit mitbringen, dafür eignet sie sich hervorragend für das Beleuchten von konkreten Fragestellungen und Problembereichen, kann aber natürlich auch unspezifisch angewandt werden.

Schwierigkeiten bei der Deutung, umgedrehte Karten und Co.
Es kommt bei den besten Kartenlegern vor, manchmal werden wir aus einer Legung nicht so recht schlau. Da gibt es vielleicht eine oder mehrere Karten deren Sinn und Bedeutung wir im Gesamtkontext nicht verstehen. Es gibt immer die Möglichkeit zu einer Karte die sich uns nicht erschließen will noch eine Zusatzkarte zu ziehen. Falls auch dies nichts bringt kann es hilfreich sein vom Deutungsbuch des eigenen Sets auf das eines anderen Sets zurück zu greifen. Zwar sind sich die Karten in ihrer Grundbedeutung alle sehr ähnlich, jedoch kommt es vor das Künstler beim Anlegen und Erschaffen eines eigenen Decks bestimmte Bedeutungen in den Fokus stellen und andere wiederum kaum betonen oder sogar unter den Tisch fallen lassen. Ich habe Tarotbücher in denen ist die Bedeutung einer Karte auf einer halben Seite beschrieben steht, während ich in einem anderen Buch 3-4 Seiten über diese Karte finde. Natürlich ist auch immer eine intuitive Herangehensweise möglich. Was sagt die Karte mir? Was löst sie in mir aus? Welche Assoziation habe ich zu dem Bild, was bringt sie in mir zum schwingen?
Einige Menschen arbeiten beim Kartenlegen auch mit der Ausrichtung der Karten, grob vereinfacht könnte man sagen das Karten die umgekehrt, also auf dem Kopf stehend liegen eine eher negative Botschaft haben, gerade stehend eine positive. Ich persönlich arbeite nicht mit dieser Variante und drehe meine Karten während der Legung immer gleich richtig herum.

 

Merken

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich bin einverstanden